Kommunale Gedenk- und Erinnerungskultur


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Die Gedenk- und Erinnerungskultur in unserer Stadt ist geprägt von einem vielfältigen Umgang mit lokal bedeutsamen Ereignissen, Persönlichkeiten, zivilgesellschaftlichen Entwicklungen, aber auch durch den Umgang mit jeder Art von Zeugnissen ihrer Geschichte. Dazu zählen die kontinuierliche Auseinandersetzung mit Gedenk- und Erinnerungsstätten, namensgebenden Persönlichkeiten sowie der Umgang mit neuen Erkenntnissen, die durch historische Grundlagenforschung gewonnen werden.
Akteure der kommunalen Erinnerungskultur sind dabei nicht nur stadteigene Einrichtungen wie z.B. das Stadtarchiv, das Historische Museum oder die Volkshochschule (als Vermittlungsinstanzen) sondern auch zahlreiche zivilgesellschaftliche Institutionen und Organisationen. Insbesondere deren Aktivitäten tragen dazu bei, dass es in Bielefeld eine vielfältige und lebendige Kultur des Erinnerns und Gedenkens gibt.

Antrag von Koalition und LINKEN zum TOP 4.1. „Kommunale Gedenk- und Erinnerungskultur“ der Ratssitzung am 17. 11. 2016:

Der Rat der Stadt Bielefeld beschließt:

  1. Der Rat der Stadt unterstützt und drückt seine Wertschätzung aus für die vielfältigen Ausdrucksformen und insbesondere die zivilgesellschaftlichen Aktivitäten im Bereich der Erinnerungs- und Gedenkkultur in unserer Stadt. Er bittet die Verwaltung, dies im Rahmen ihrer Möglichkeiten ebenfalls zu tun.
  2. Der Rat begrüßt, dass sich immer mehr Institutionen und Unternehmen mit ihrer Geschichte auseinandersetzen. Auch die Stadt hat noch zahlreiche Aspekte ihrer politischen und Organisationsgeschichte aufzuarbeiten. Die Frage des Umgangs mit Benennungen von Straßen und Gebäuden nach historisch umstrittenen Personen ist in diesem Zusammenhang einer kritischen Betrachtung zu unterziehen.
  3. Der Nationalsozialismus stellt einen beispiellosen Zivilisationsbruch in der Geschichte des 20. Jahrhunderts dar. Deshalb wird sich die städtische Erinnerungskultur auch weiterhin intensiv mit dieser Zeit und ihren Auswirkungen zu beschäftigen haben.
  4. Der Rat der Stadt bittet die Verwaltung, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die auf der Basis einer umfassenden Bestandsaufnahme ein Konzept für eine nachhaltige Erinnerungskultur in unserer Stadt entwickelt und Vorschläge zu deren Umsetzung macht. An dieser Arbeitsgruppe sind neben Vertreter*innen der Stadtverwaltung insbesondere Vertreter*innen relevanter zivilgesellschaftlicher Vereine, Institutionen und Organisationen zu beteiligen.
  5. Der Oberbürgermeister wird gebeten, Kontakte zur Universität Bielefeld (Fakultät für Theologie, Philosophie und Geschichte) aufzunehmen mit dem Ziel einer wissenschaftlichen Begleitung dieses Prozesses.
  6. Der Rat erwartet die Vorlage des Konzepts bis spätestens Ende 2017.

Begründung erfolgt mündlich!

Georg Fortmeier (SPD-Ratsfraktion), Jens Julkowski-Keppler (Fraktion Bündnis 90/Die Grünen), Barbara Schmidt (Fraktion Die LINKE), Michael Gugat (Ratsgruppe Bürgernähe, Piraten)