Der Ausstieg aus der Atomenergie ist gestern wie heute richtig


Mehr davon wollen wir nur in der Schokovariante!


Erklärung der Bielefelder GRÜNEN zur Debatte um Laufzeitverlängerung für das AKW Grohnde

 

Nein, derzeit fordert noch niemand offen, das AKW Grohnde – entgegen dem Atomausstiegs-beschluss – länger laufen zu lassen. Es wird nur „nachgedacht“. In allen Gazetten finden sich die alten Märchen von der billigen, klimaschonenden Atomkraft wieder, die von den ewig gest-rigen Atomkraftskeptikern doch nun bitte endlich geglaubt werden sollen. Der Bielefelder Stadt-werkegeschäftsführer Rieke wedelt schon mal mit der preisdämpfenden Wirkung einer mögli-chen längeren Grohnde-Laufzeit. NW-Kommentator Stuckhard geht ein Stück weiter, wenn er titelt: „Längere Laufzeit für Grohnde, damit es jeder hell und warm hat“.Nun wärmen Atomkraftwerke in der Regel die Gewässer in ihrer Umgebung und nur die aller-wenigsten Stuben. Und weder Maschinen, noch Lichter werden ausgehen, wenn Grohnde in mehr als 10 Jahren durch ein modernes, nachhaltiges Energiepaket ersetzt wird. Dass dies eine große Herausforderung ist, bestreitet niemand. Aber sie ist alternativlos.• Wegen der SicherheitWir müssen schon heute feststellen, dass ältere Kernkraftwerke häufiger und gravierender störanfällig sind. Forsmark, Brunsbüttel, Krümmel und aktuell der Störfall in Tricastin – im-mer wieder gibt es gefährliche Zwischenfälle und Unfälle. Auch Grohnde ist 2018 wenn es nach dem Ausstiegbeschluss abgeschaltet werden soll, kein junges, frisches Kernkraftwerk mehr und jeder Tag längerer Betrieb macht es nicht sicherer. Zudem gilt auch für Grohnde – wie für alle anderen AKWs: Sie sind hochgefährdete Terrorziele.• Wegen der EntsorgungsunsicherheitWer von Daseinsvorsorge spricht, sollte nicht nach dem Prinzip „nach mir die Sintflut“ ver-fahren. Der radioaktive Müll ist eine überschwere Hypothek für kommende Generationen. Heute strahlend hell dank Atomstrom, übermorgen bestrahlt durch lecke Atommüllfässer. Es wird gerne vergessen: Der hochkontaminierte Atommüll aus Grohnde wird – wie überall in der Republik – teuer und aufwändig transportiert und in Hallen „zwischengelagert“. Wie nach dem „Zwischen“ die endgültige Lösung für den Jahrmillionen strahlenden Müll aus-sieht, weiß weltweit kein Mensch.• Wegen der AbhängigkeitIn Grohnde kann man weder tanken, noch Heizwärme kaufen. Es länger laufen zu lassen verringert also die Öl- und Gasabhängigkeit nicht. Vom endlichen Rohstoff Uran (40 Jahre bei derzeitiger Förderung), der bei der geforderten weltweiten Renaissance der Atomkraft sicher deutlich teurer würde, bliebe man deutlich länger abhängig.• Wegen des KlimaschutzesLast not least bleibt die Erkenntnis, dass Atomstrom keineswegs der „ungeliebte saubere Klimaschützer“ ist als den uns die Atomlobby ihre Meiler verkaufen will. Atomstrom ist nicht klimaneutral, wie von der Atomindustrie behauptet. Jede Kilowattstunde aus einem Atom-kraftwerk wie Grohnde verursacht 126 g CO2 vor allem durch den energieintensiven Abbau von Uran. Atomkraft hat zudem eine ausgesprochen schlechte Energiebilanz. Sie liefert nur Strom, keine nutzbare Wärme. Geheizt werden muss zusätzlich und damit entstehen in der Regel zusätzliche Treibhausgase. Ein modernes Gas-Heizkraftwerk, das Strom und Wärme liefert kommt dagegen mit insgesamt 116 g CO2 aus.

Bleibt das Argument der Kosten. Längere AKW-Laufzeit gleich Stopp der Energiepreisexplosion? An Sprit- und Heizungskosten würde sich nichts ändern. Die sind vom Ölpreis abhängig.
Selbst eine Laufzeitverlängerung der alten, abgeschriebenen AKWs in Deutschland um 25 Jahre würde den Atomkonzernen zwar bis zu 10 Milliarden Euro Zusatzgewinne pro Jahr einbringen. Wer glaubt eigentlich daran, dass EON, der Haupteigentümer von Grohnde, plötzlich bereit ist, auf Zusatz-Gewinne zu verzichten? Doch selbst dann würden die VerbraucherInnen (lt. Studie Verbraucherzentrale Bundesverband) nur um maximal 50 Cent pro Monat bei ihrer Stromrech-nung entlastet. Eine einzelne Energiesparbirne bringt da mehr Ersparnis.
Anders sieht es aus dem Blickwinkel der Stadtwerke aus. Für sie ist Grohnde tatsächlich wie in der Neuen Westfälischen Zeitung beschrieben „eine Gelddruckmaschine“. Und im Gegensatz zu den großen Energiekonzernen, die ihre Gewinne aus längeren Laufzeiten wohl nicht der All-gemeinheit oder der Förderung neuer Energien zugute kommen lassen, könnten die Bielefelder Stadtwerke bei längerer Grohnde Laufzeit mit den Erlösen aus dem abgeschriebenen Kraftwerk theoretisch Gutes tun. Das wären allerdings teuer erkaufte Wohltaten, die mit einer nachhalti-gen Daseinsvorsorge nicht vereinbar sind. Denn in der Abwägung stehen ihnen Sicherheit, Un-abhängigkeit, Nachhaltigkeit und Klimaschutz entgegen.

Will Bielefeld die Herausforderung einer modernen Energiezukunft annehmen? Mit allem was heute an technischem Wissen besteht und an Know how im Bereich zukunftsfähiger Energien und Effizienzsteigerung vorhanden ist, bzw. wachsen wird. Mit einer gemeinsamen Kraftan-strengung von öffentlichen Einrichtungen, der Wirtschaft, bis hin zu jeder und jedem Einzelnen heißt die Zukunft, mit Energie sparsam und effizient umzugehen. Viele Erfahrungen haben ge-zeigt: Der Druck eines klar definierten Endpunkts wie hier durch den Atomausstieg erhöht den Erfolgszwang einer (Energie-)Wende und setzt damit neue Kräfte frei.

Es ist richtig, dass politisch entschieden werden muss, welche Seite der Wagschale schwerer wiegt. Vielleicht sollten dies sogar die Bielefelder Bürgerinnen und Bürgern in Form einer Ab-stimmung bestimmen.
Unser grünes Votum fällt dabei klar zugunsten der drei E’s –Erneuerbare, Effizienz, Energiespa-ren – aus. Eine Laufzeitverlängerung wäre unverantwortlich, würde nur der Atomwirtschaft nutzen und dringend erforderliche Investitionen in erneuerbare Energien und Effizienz behin-dern.
Wir sind guten Argumenten gegenüber immer aufgeschlossen, haben aber von denen, die dem Atomendspiel eine Verlängerung verpassen wollen, noch nichts Überzeugendes gehört, warum der Abpfiff verschoben werden soll.

 

Britta Haßelmann, Bundestagsabgeordnete 

Christoph Sundergeld, Sprecher KV Bielefeld 

Rainer Hahn, Ratsfraktion Bielefeld 

Marianne Weiß, Voraussichtliche OB-Kandidatin

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