Inge Schulze, März 2007
Wir sollten die Chancen nutzen
Wir haben uns schon daran gewöhnt. Die Anmeldezahlen zu den Gesamtschulen waren immer deutlich höher, als es Gesamtschulplätze gab. Trotz Pisa haben wir bisher keinen Zusammenhang hergestellt zwischen den Bildungschancen der Migrantenkinder und fehlenden Gesamtschulplätzen. Es ist aber unbestritten, dass gerade Migrantenkinder eine intensive Förderung, wie sie nur in einer Ganztagsschule geleistet werden kann, benötigen, um den für sie optimalen Bildungsabschluss zu erreichen.
Die Schullandschaft hat sich verändert.
Die Anmeldezahlen zu den Gymnasien haben sich erhöht, die Aufnahmekapazität der städtischen Gymnasien ist ausgeschöpft. Um die Elternwünsche hinsichtlich des Schulwunsches Gymnasium erfüllen zu können, trägt die Stadt Bielefeld an den Ersatzschulen für alle Bielefelder Schülerinnen und Schüler fast die Hälfte des Trägeranteils und finanziert in den kommenden Jahren zu 100 % den Eigenanteil für die Einrichtung je einer weiteren Klasse. Insgesamt beläuft sich der städtische Zuschuss für die Privatschulen auf über 1,5 Mio € pro Jahr. Bis zum Jahr 2013, wenn zwei Jahrgänge wegen der Verkürzung der Schulzeit am Gymnasium auf 8 Jahre gleichzeitig Abitur machen und die Schule verlassen, wird die Raumnot an den Gymnasien bleiben.
Es gibt aber nicht nur ein Raumproblem. Schon in den letzten Jahren mussten viele Jugendliche in den Klassen 7 – 8 nach Einsetzen der 2. Fremdsprache die Gymnasien verlassen. Es ist zu befürchten, dass die Zahl der Schulwechsler mit der Verkürzung der Schulzeit an den Gymnasien noch steigen wird. Es ist auch zu befürchten, dass es überwiegend Kinder mit leichten Sprachproblemen sind, die an den Gymnasien überfordert sind. Sie können in der Regel aber nicht an eine Gesamtschule wechseln, da dort alle Plätze belegt sind.
Gute Gründe und Optionen
Deshalb sollten wir in Bielefeld über die Gründung einer weiteren Gesamtschule nachdenken. Dafür sprechen mehrere Gründe.
1. Wenn zum Schuljahr 2008/2009 über 2000 Kinder aus dem Ganztag an die Sekundarschulen wechseln, dann werden viele Eltern weiter ein Ganztagsangebot für ihre Kinder benötigen. Die bisher vorhandenen Ganztagsplätze reichen bei weitem nicht aus.
2. Viele dieser Kinder könnten an einer Gesamtschule mit etwas mehr Zeit ihr Bildungspotential ausschöpfen.
3. Eine Ganztagsgesamtschule kann gerade im Stadtbezirk Mitte für Kinder mit Migrationshintergrund eine gute Chance sein, den für jedes Kind besten Schulabschluss zu erreichen.
Es wird ein Schulgebäude (Lutherschule II an der Petrikirche), das alle Voraussetzungen für eine Gesamtschule hat, frei. Denn im Zuge der Erweiterung zu einer Ganztagshauptschule erhält die Lutherschule am Standort Josefstraße einen Anbau, der es erlaubt, die Räume an der Lutherschule II aufzugeben. Dadurch ergibt sich die vielleicht einmalige Chance, ohne einen Neubau in Innenstadtlage eine neue weitere Gesamtschule zu gründen. Die Schule verfügt über ein großes Freigelände und viele Fachräume (Naturwissenschaften, Werkraum, Küche…).
In die Gesamtschuldiskussion kommt Bewegung, auch bei unserer Ministerin. Wir sollten uns an die Spitze der Bewegung setzen und die Chancen, die sich in Bielefeld ergeben, nutzen.
Inge Schulze ist Fraktionssprecherin
|
GRÜNE im Netz
|