Der „Frauenförderplan“ bietet alle drei Jahre Gelegenheit, über einige Aspekte der Frauenpolitik auch im Rat der Stadt Bielefeld zu diskutieren. Das ist auch notwendig, denn Geschlechtergerechtigkeit ist längst nicht erreicht, auch nicht in der Stadt Bielefeld.
Obwohl insgesamt etwa gleich viele Männer wie Frauen bei der Stadt beschäftigt sind, gibt es große Ungleichheiten; in den unteren Lohngruppen finden sich überwiegend Frauen, dagegen sind Führungspositionen nur zu 31 % mit Frauen besetzt, und dieser Anteil ist überwiegend verursacht durch die Leiterinnen und ihre Stellvertreterinnen in den Kitas. In anderen Bereichen der Verwaltung ergibt sich ein sehr ernüchterndes Bild.
Dr. Inge Schulze:“Frauen müssen nicht gefördert werden, sondern es müssen Strukturen und Denkweisen in den Köpfen verändern, um die angestrebte Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen. Frauen wollen nicht nur gleichen Lohn für gleiche Arbeit, sie wollen auch Verantwortung übernehmen, Teilhabe an Macht und Gestaltungsmöglichkeiten haben. Problematisch scheint nicht der Berufseinstieg zu sein, wie die Zahlen der Neueinstellungen von Frauen bei der Stadt Bielefeld belegen. Aber offensichtlich gibt es einen Bruch beim Aufstieg von qualifizierten Frauen in Führungspositionen. Es liegt nicht an den Frauen, denn das Angebot zur Führungskräfteschulung der Stadt Bielefeld wurde von 109 Frauen, aber nur 64 Männern angenommen. Das belegt eindeutig den Führungsanspruch von Frauen. Trotzdem gelingt häufig nicht der Aufstieg in den höheren Dienst. Ein Beispiel aus dem Bereich der allgemeinen Verwaltung belegt diese These. Der Anteil der Mitarbeiterinnen in diesem Bereich liegt bei 59%. 2004 waren 6 Frauen (25%) und 19 Männer in der Besoldungsgruppe A13 beschäftigt, 2007 waren es immer noch 6 Frauen(19%) aber 36 Männer. In internen Verfahren hatten sich offensichtlich in der Zeit von 2004 bis 2007 nur Männer bei Beförderungen durchgesetzt.“
Wo liegen die Ursachen? Der Frauenförderplan beschwört die Notwendigkeit von Zitat „Sensibilisierung von Führungskräften und Personalverantwortlichen“ Diese Sensibilisierung ist offensichtlich ein zentrales Problem, denn die Personalverantwortlichen sind überwiegend männlich.
Auch in einem anderen Punkt ist der Bericht ernüchternd. Teilzeitarbeit zur Betreuung von Kindern oder Eltern ist immer noch überwiegend Frauensache, der Anteil der Männer ist nur im Bereich Altersteilzeit deutlich gestiegen. Teilzeit im höheren Dienst scheint immer noch ein Problem zu sein, denn nur 1,8% der Frauen in dieser Besoldungsgruppe arbeiten in Teilzeit. Die Akzeptanz von Teilzeit auch in Führungspositionen in der gesamten Verwaltung muss verbessert werden.
Dr. Inge Schulze: „An den Zielsetzungen des Landesgleichstellungsgesetzes zu arbeiten ist heute so wichtig wie vor 20 Jahren. Die konkreten Zielsetzungen des Frauenförderplans bis 2010 muten sehr bescheiden an. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind richtig und notwendig, aber ich bezweifle, dass es mit diesen Maßnahmen allein gelingt, das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit in den nächsten zehn Jahren zu erreichen.“
|
GRÜNE im Netz
|