Mit Klärschlamm wird in der Bundesrepublik sehr unterschiedlich umgegangen. Während im Süden auf Verbrennung gesetzt wird, aber zum Teil flüssiger Klärschlamm auf den Acker gebracht werden kann, wird in Norddeutschland der größere Teil in der Landwirtschaft verwendet. Setzt derjenige, der den Klärschlamm nicht zu 100% thermisch entsorgt, nicht die Gesundheit der BürgerInnen fahrlässig aufs Spiel? Der Bielefelder Umweltbetrieb erhöht jetzt die Verbrennungsquote von 25 auf 50%, nutzt aber für die Restmenge flexible Wege. Bündnis 90/Die Grünen unterstützen diese Lösung. Dafür sprechen folgende Argumente:
1. Der Klärschlamm wird genau auf Schadstoffe untersucht, bevor er in der Landwirtschaft oder im Landschaftsbau – Verfüllung von aufgelassenem Tagebau, Lärmschutzwälle – eingesetzt wird. Das Qualitätsmanagement ist erfolgreich. Die Fonds, die zwecks Schadensausgleich eingerichtet worden sind, wurden nicht in Anspruch genommen. Als in der Kläranlage Sennestadt der Schadstoff PFT festgestellt wurde, wurde sofort reagiert: die entsprechenden Klärschlammchargen gingen in die Verbrennung. Es kam kein PFT auf den Acker.
2. Nur verschiedene Entsorgungswege garantieren Entsorgungssicherheit, das heißt, dass unsere Kläranlagen ihren Schlamm auch loswerden. Wer sich einseitig von einem Weg abhängig macht, muss im Ernstfall höhere Kosten für die Bielefelder BürgerInnen, mehr Mülltourismus und Verbrennung, zum Beispiel in Kohlekraftwerken, in Kauf nehmen, die die Umwelt stark belasten.
3. Die Verbrennung ist ökologisch nicht unbedenklich. Die Trocknung kostet Energie, der Brennwert der Trockensubstanz ist gering. Der gesamte Prozess ist nicht klimafreundlich. Er beeinträchtigt die CO2 Bilanz und erfolgt auch bei bester Rauchgasreinigung nicht ohne Schadstoffemission. Wenn 100% des Klärschlamms verbrannt werden, gibt es keinen Anlass mehr, Schadstoffe im Abwasser und folglich im Klärschlamm zu vermeiden.
4. Klärschlamm ist sehr phospatreich und deshalb ein wertvoller Dünger, der dank intensiven Qualitätsmanagements weniger Schadstoffe enthält als andere Düngemittel. Gülle ist stark mit Antibiotika belastet und die Kunstdüngerproduktion ist ökologisch bedenklich. Die natürlichen Phospatvorkommen nehmen rascher ab als die Ölreserven, so dass die Preise steigen.
Dr. Jörg van Norden, Ratsmitglied und Vorsitzender des Betriebsausschusses des Umweltbetriebs: „Auch die thermische Entsorgung bringt Risiken für Mensch und Umwelt mit sich. In Bielefeld werden in Zukunft 50% des Klärschlamms verbrannt, die restliche Menge sorgfältig überprüft und wenn notwendig ebenfalls thermisch entsorgt, wenn möglich aber anderweitig genutzt. Das ist im Interesse der BürgerInnen und der GebührenzahlerInnen die richtige Lösung!“
|
GRÜNE im Netz
|