FAQ: Antworten auf Fragen zum Nationalpark Teutoburger Wald und Senne

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Was ist das Besondere an einem Nationalpark?

Ein Nationalpark ist so etwas wie eine “Arche Noah”. Es ist ein Ort, an dem Tiere und Pflanzen vor dem Aussterben geschützt sind und gleichzeitig Menschen die Möglichkeit haben, diese intakte Natur zu erleben. In einem Nationalpark kann sich die Natur  nach ihren eigenen Gesetzen entwickeln, ohne dass der Mensch nutzend oder regulierend eingreift. Hier darf Natur noch Natur sein. Der Yellowstone Nationalpark in den USA wurde 1872 der erste Nationalpark der Welt. 2010 wuchs die Zahl der jährlichen BesucherInnen auf das Rekordniveau von 3,64 Millionen Personen.

Wo soll der künftige Nationalpark in Ostwestfalen entstehen?

Schon seit über 20 Jahren wird darüber diskutiert auf dem Gebiet der Senne einen Nationalpark einzurichten. Das Gebiet liegt in Ostwestfalen-Lippe, westlich angrenzend vor dem Gebirgszug des Teutoburger Waldes, der zusammen mit der Senne für nationalparkwürdig befunden wurde. Die Kreise Lippe, Höxter, Paderborn, Bielefeld und Gütersloh haben entweder direkten Anteil oder grenzen an den geplanten Nationalpark Teutoburger Wald und Senne.

Die Senne – was ist das überhaupt?

Die Senne liegt zwischen Paderborn, Detmold, Gütersloh und Bielefeld auf einer eiszeitlich entstandenen Sandfläche (Sander) und ist etwa 25.000 ha groß. Etwa 12.000 ha davon werden seit über 100 Jahren als Truppenübungsplatz genutzt. Da aufgrund der militärischen Nutzung durch die Britischen Streitkräfte keine Besiedlung oder Landwirtschaft möglich war, konnte sich ein einzigartiger, weitgehend von Straßen unzerschnittener Lebensraum erhalten. Ungefähr 5.000 Pflanzen und Tierarten, von denen ca. 1.000 gefährdet sind und auf der “Roten Liste” stehen, leben in dem vielfältigen Lebensraummosaik der Senne. Diese Fläche soll für den Naturschutz auf Dauer erhalten bleiben. Die britische Regierung hat 2010 angekündigt, ihre Truppen bis 2020 aus Deutschland abzuziehen.

Warum gibt es jetzt Planungen für einen Nationalpark Teutoburger Wald?

Zum einen hatte der Kreistag Lippe schon 2007 beschlossen, einen Nationalpark Teutoburger Wald einzurichten. Zum anderen bestätigte inzwischen auch das Gutachten des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW vom Mai 2011, dass der Teutoburger Wald nationalparkwürdig ist. Dieser ist mit der Flächengröße von ca. 8650 ha in den Kreisen Lippe, Höxter und Paderborn ein international bedeutsames, geschlossenes Buchenwaldgebiet.

Ist der “Teutoburger  Wald”  tatsächlich nationalparkwürdig?

Der Bereich des potenziellen Nationalparks Teutoburger Wald gehört zu den Gegenden mit der höchsten geologischen Vielfalt (über 20 Höhlen und bemerkenswert viele sogenannte Erdfälle) in Nordrhein-Westfalen. Er umfasst ungefähr 7 Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiete, zu denen mit den beiden Buchenwaldschutzgebieten Östlicher Teutoburger Wald sowie Egge zwei bundesweit herausragende Wälder gehören. Darüber hinaus ist der Teutoburger Wald ein höchst wertvolles Rückzugsgebiet für zahlreiche aussterbende Tiere und Pflanzen. Er hat eine hohe Bedeutung für den Schutz seltener Vogelarten wie Grauspecht oder Rotmilan nach der EG-Vogelschutzrichtlinie. Mit einem Nationalpark haben wir die Chance, diese Arten zu erhalten.

Das Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz kommt in seinem Gutachten zu der Bewertung: “Die Kombination großflächiger Wälder mit Felsen und Höhlen sowie die Besonderheit großflächiger Sandböden (Podsole) im Mittelgebirge, die auf über 15 % der Fläche von der Senne her hinein streichen, bedingen darüber hinaus die Bedeutung und besondere Eigenart des Gebietes im Vergleich zu den bisherigen Nationalparken in Deutschland. Die Flächen des potenziellen Nationalparks Teutoburger Wald zeichnen sich darüber hinaus ganz im Sinne der Nationalparkziele durch besonders gut ausgebildete Artengemeinschaften natürlicher Lebensräume aus”, (Quelle: LANUV Gutachten 2011).

Was hat die Planung des Nationalparks Senne mit dem Nationalpark Teutoburger Wald zu tun?

Die Einrichtung des Nationalparks soll in zwei Stufen geschehen. Als ersten Schritt kann der  Nationalpark Teutoburger Wald zusammen mit Teilen des nördlichen Eggegebirges in den Landkreisen Höxter, Lippe und Paderborn etabliert werden. Im Anschluss würde der Nationalpark im Bereich des Truppenübungsplatzes Senne entweder über eine Doppelnutzung im Einvernehmen mit den Briten oder erst nach Abzug des britischen Militärs eingerichtet. Da die beiden Teilgebiete aneinander grenzen und fachlich eine Einheit bilden, kann es einen gemeinsamen Nationalpark Teutoburger Wald/Senne geben.

Bietet ein Nationalpark wirtschaftliche Chancen für die Region?

Das vom Landesverband und Kreis Lippe gemeinsam in Auftrag gegebene Gutachten zu wirtschaftlichen und sozialen Chancen und Risiken des geplanten Nationalparks Teutoburger Wald/Eggegebirge wurde am 26.03.2010 öffentlich vorgestellt. Als Ergebnis empfehlen die Gutachter von Roland Berger, die Nationalpark-Idee weiter zu verfolgen.

Sie erwarten unter dem Strich positive wirtschaftliche Effekte für Lippe und die gesamte Region. Eine Steigerung der touristischen Wertschöpfung um 2 % ist realistisch. Einnahmeausfälle aus der Forstwirtschaft können kompensiert werden. Engpässe in der regionalen Holzversorgung werden ausgeschlossen.

Wenn in Kürze das weitere Gutachten von Roland Berger veröffentlicht wird, können wir den wirtschaftlichen Nutzen exakter abschätzen. Immerhin wird es möglich sein, noch für die nächsten 30 Jahre Fichten aus dem Teutoburger Wald zu schlagen und zu verkaufen. Da die Möbelindustrie ihr Holz aus dem Ausland bezieht, ist diese nicht von den hiesigen Buchen abhängig.

Ein Nationalpark ist die überzeugendste Möglichkeit, eine regionale Dachmarke zu entwickeln. Dadurch wird  nach einer Anlaufzeit von einigen Jahren eine wesentlich größere Wertschöpfung als durch eine nachhaltige Waldwirtschaft ermöglicht.

Ist der Nationalpark Eifel mit den Planungen in Ostwestfalen-Lippe vergleichbar?

Nein, eher nicht. Der Nationalpark Eifel ist 2004 entstanden und er wurde möglich, nach dem die belgische Armee überraschend abzog. Dort erkannten die Kommunen und Gemeinden recht schnell die Vorteile eines Nationalparks und zogen gemeinsam an einem Strang. Während die Eifel vorwiegend aus Nadelhölzern besteht, zeichnet sich der Lebensraum Teutoburger Wald und Senne durch Höhlen und Buchenwald aus, ohne dass es hier eine militärische Nutzung gab.

Wer profitiert von einem Nationalpark?

Die Allgemeinheit: Ein Nationalpark Teutoburger Wald ist mehr als nur der normale Wald, der für die Erholung der Bevölkerung zur Verfügung steht und aus dem Nutzen durch die Bewirtschaftung von Holz gezogen wird. Er wäre auch ein Naturerbe und eine touristische Attraktion sowie ein Bildungs- und selten gewordener Aufenthaltsort. Ein Nationalpark ist eine wichtige zusätzliche Attraktion, die die Region bundesweit für Erholungssuchende bekannt machen wird. Durch den Tourismus, den ein Nationalpark in Ostwestfalen Lippe mit sich bringt, kann die ansässige Wirtschaft den Wegfall der Einnahmen aus der Stationierung der britischen Armee auffangen. Verbunden mit der Schaffung von Arbeitsplätzen und weiteren Investitionen wird der Imagegewinn durch einen Nationalpark ein wichtiger Standortvorteil für die Regionalentwicklung sein.

Wichtig ist, dass ein lippischer Nationalpark nur auf öffentlichen Flächen eingerichtet wird. Der Kreis Lippe und der Landesverband nutzen damit die einmalige Chance, ein Stück kostbare Natur auf Dauer für die Allgemeinheit zu vermarkten und gleichzeitig zentrale Flächen zu schützen

Und noch ein Effekt:  In Deutschland stehen zu wenig Waldflächen unter strengem Schutz. Bislang sind dies nur etwa 0,5% der Bundesfläche (Greenpeace spricht sogar von 0,3%). Der nationale Plan sieht vor, dies bis 2020 auf 5% der deutschen Waldfläche anwachsen zu lassen. Der Teutoburger Wald wäre daher hervorragend geeignet, mit dieser Strategie voranzukommen.

Welche Rolle spielen für Sie die Britischen Streitkräfte als bisherige Nutzer der Senne?

Die Britischen Streitkräfte trugen im 2. Weltkrieg wesentlich dazu bei, dass das nationalsozialistische Regime unter Hitler zu Fall gebracht werden konnte. Das kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Doch nach über 100 Jahren der militärischen Nutzung der Senne und mit dem angekündigten Abzug der Briten ist der Weg frei, dass die Senne wieder an die Bevölkerung zurückgegeben wird. Vor allem, nachdem erkannt wurde, dass es nicht zuletzt auch wegen der militärischen Nutzung zu einer Bewahrung von Natur und dem Erhalt von über 5000 gefährdeten Pflanzen und ca. 1000 aussterbenden Tierarten gekommen ist. Leider gibt es aber auch Altlasten und Schäden, die nach einem Abzug wieder saniert werden müssen. Da die Briten ihren Abzug jetzt konkret machen, könnte dies bedeuten, dass der Truppenübungsplatz Senne in einen Nationalpark umgewandelt wird und nach dem endgültigen Weggang zusammen mit dem Teutoburger Wald eine großräumige Fläche einnimmt.

Kann es einen Parallel-Betrieb (Doppelnutzung) des Gebietes der Senne als Militärgelände und Nationalpark geben?

Theoretisch ja, in Großbritannien ist dies zum Beispiel mit gewissen Einschränkungen möglich. Bislang steht das Argument im Raum, dass die Britischen Streitkräfte Kompromisse im Übungsbetrieb befürchten. Doch darüber konnten noch keine direkten Verhandlungen geführt werden. Somit lässt sich nicht sagen, ob die Hindernisse für einen Parallelbetrieb nicht durch Gespräche ausgeräumt werden können.

Was ist mit der Munitionsräumung im Bereich der Senne ?

Die Senne wird seit über 100 Jahren militärisch genutzt, daher liegen auf dem Truppenübungsplatz Munitionsteile. Nach NATO-Verträgen kommt für die Räumung der Nutzer und der Eigentümer auf – also die britische Armee und die Bundesrepublik Deutschland.

Es muss ein Schadensregister der kontaminierten Flächen mit Zuordnung der Verursacher aufgestellt werden um sicherzustellen, dass die Britische Streitkräfte in Deutschland ihrer Verpflichtung nachkommen, die von ihr verursachten Schäden vollständig und rechtzeitig zu beseitigen. Das gilt natürlich auch für die Bundeswehr.

Welche Rolle spielt die mögliche Nachnutzung des Geländes durch die Bundeswehr, sollte es bei den Abzugsplänen der Briten bleiben?

Nach den langen Jahren militärischer Nutzung können die größten und naturräumlich wichtigsten Teile der Senne einer zivilen Nutzung zugeführt werden können. Inwieweit die Bundeswehr ihre Kasernen und den dazu gehörigen Standortübungsplatz Stapel, der von allen Nationalparkplänen unberührt ist, weiter nutzen will, wird erst im Oktober entschieden. Aber auch die Bundeswehr wird abwarten müssen, wie sich die Briten ihren Abzug vorstellen und erst dann Überlegungen anstellen können, ob und inwieweit das Gelände des Truppenübungsplatzes Senne genutzt wird. Eine andere Frage ist sicherlich, ob die Bundeswehr es sich leisten kann, zusätzlich das Kasernengelände der Briten zu übernehmen. Hier täte die Kommune Augustdorf gut daran, schon jetzt Überlegungen für eine künftige nachhaltige Nutzung anzustellen, anstatt ausschließlich auf das Militär zu setzen.