Glyphosathaltiges Pflanzengift auf Bielefelder Sportplätzen

Veröffentlicht am / Abgelegt in: Positionen & Meinungen

Der Umweltbetrieb setzt im Rahmen einer Ausnahmegenehmigung das Pflanzenschutzmittel Round Up mit dem Wirkstoff Glyphosat auf 41 Sportanlagen ein. Es handelt sich um verkrautete Randbereiche der Tennenflächen, Sportplätze, Laufbahnen und sonstige Flächen mit wassergebundener Decke. Die behandelten Sportflächen mit Tennenmaterial haben eine Größe von 16,5 ha. Zurzeit wird das Gift drei Mal jährlich eingesetzt.

Auf den Einsatz von Round Up auf den wassergebunden Flächen könnte verzichtet werden, wenn mit Hilfe anderer Maßnahmen die Verkrautung verhindert wird. Das kann mechanisch und per Hand (Randflächen) oder durch den Einsatz von Wasserdampf erfolgen. Diese Verfahren erfordern allerdings einen höheren Personalaufwand als der Einsatz des Pflanzengiftes.

Auch die äußeren Randbereiche der Kunstrasenplätze werden regelmäßig mit dem Gift gegen einwachsende Wildkräuter behandelt. Technisch könnten Keimung und Wachstum auf diesem Substrat auch durch den Einsatz von heißem Wasserdampf verhindert werden. Das scheitert bisher aber daran, dass man bei diesem Verfahren die Garantieansprüche gegenüber den Herstellern verliert. Es wird die Gefahr gesehen, dass sich eingearbeitetes Granulat, die Kunststoffrasenfasern oder die Kleber durch die Hitze strukturell verändern.

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist das in der Landwirtschaft am häufigsten eingesetzte Pflanzengift. Die Hersteller haben es viele Jahre als völlig unbedenklich dargestellt. Die EU-Kommission hat die eigentlich 2012 auslaufende Zulassung von Glyphosat ohne weitere Prüfung bis 2015 verlängert. Erst dann sollen unabhängige Gutachter die Wirkungen von Glyphosat auf Wasser, Nahrungskette und den Menschen umfassend untersuchen.

Inzwischen gibt es allerdings eine große Anzahl von Studien, die auf die Gefährdung durch Glyphosat und seiner Abbauprodukte hinweisen. Das Pestizid hat sich inzwischen bereits in der Nahrungskette festgesetzt. So stellten Wissenschaftler der Universität Leipzig Spuren des Wirkstoffs im Urin von Berliner Stadtbewohnern fest, die nichts mit Landwirtschaft zu tun haben.

Eine Studie im Auftrag des BUND vom Oktober 2011 hebt hervor, dass folgende Risiken durch Glyphosat und seine Abbauprodukte bestehen:

  • Haut- und Augenreizungen, Husten, Schwindel, Kopfschmerzen
  • Beeinträchtigung der Bildung und Wirkung der Sexualhormone
  • Schädigung von Embryonen und der Erbinformation
  • Verdacht, krebsfördernd zu sein

Wir sind angesichts dieser Risiken der Überzeugung, dass der Einsatz von Glyphosat auf Sportplätzen schnellstmöglich beendet werden muss.

Unsere Anfrage im Sportausschuss soll die Öffentlichkeit über die Problematik informieren und die Sportverwaltung veranlassen, mit allen Betroffenen – auch mit den Sporttreibenden – über Wege zu diskutieren, die geeignet sind, den Gifteinsatz überflüssig zu machen.

Darüberhinaus sind Gespräche mit den Herstellern von Kunstrasenplätzen notwendig. Kunstrasenplätze werden laufend weiterentwickelt. Der Einsatz von Material für Beläge, Kleber und Granulat, das Wasserdampf ohne Strukturveränderung übersteht, dürfte technisch kein Problem sein. Hier hilft wahrscheinlich nur öffentlicher Druck.

Bei den Sportanlagen mit wassergebundener Decke verursacht ein Verzicht auf Glyphosat einen höheren Arbeitsaufwand. Da angesichts der prekären Haushaltslage der Stadt Bielefeld Haushaltsmittel nicht aufgestockt werden können, müssen andere Wege gesucht werden.

Diskutiert werden müsste beispielswiese darüber:

  • Beteiligung der Sporttreibenden, Eltern und der Fördervereine auf freiwilliger Basis, z.B. einmal jährlich, an einer mechanischen Entkrautung
  • Größere Toleranz gegenüber Graswuchs in den Randzonen der Sportplätze
  • Reduzierung der Anzahl der insgesamt zu unterhaltenden Flächen. Bei gleich hohen Gesamtkosten ermöglicht das einen höheren Personalaufwand bei den verbleibenden Flächen.

Für die Erreichung des Ziels, Sportanlagen ohne glyphosathaltige Pflanzengifte zu pflegen und bespielbar zu halten, sind weitere Ideen und Vorschläge notwendig. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Betroffenen über das Problem informiert sind.

Inge Schulze