Podiumsdiskussion „Integration durch Sport“

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Am Donnerstag, den 10. Oktober 2013, lud die GRÜNE Ratsfraktion zur Podiumsdiskussion „Integration durch Sport” in das Theaterlabor auf Tor 6 – die durch Lina Keppler und Jens Burnicki moderiert wurde. Gemeinsam mit den Gästen und VertreterInnen aus lokalen Sportvereinen beleuchteten sie mit Professor Dr. Christa Kleindienst-Cachay von der Universität Bielefeld und Dr. Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), die Integrationskraft von Sportvereinen. Geschäftsführerin Karin Ünlüsoy berichtete von ihrer Arbeit in ihrem Taekwondo-Verein Songokus und Dr. Rolf Engels von seinen Erfahrungen als 1. Vorsitzender des TuS Ost Bielefeld.

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Sportwissenschaftlerin Dr. Christa Kleindienst-Cachay stellte die Ergebnisse ihrer empirischen Untersuchung in Bielefeld und Duisburg zum Thema „Sport und Integration” vor: Wie werden SportlerInnen im Verein in kommunikative Netzwerke eingebunden? Welche Effekte haben Sportvereine in den bedeutsamen Bereichen „Sprache”, „Bildungskarriere” und „Arbeitsmarkt”? Dazu Frau Kleindienst-Cachay: “Wenn man die Vereine für Integrationsprogramme gewinnen will, dann gilt es, die Argumentation von Moral auf Funktion umzustellen. Man muss die jeweiligen ‘Einflugschneisen’ für das Thema ‘Integration’ in den jeweiligen Vereinen identifizieren und dazu muss man die spezifischen Probleme des jeweiligen Vereins kennen.”

Dr. Michael Vesper berichtete über das gleichnamige Programm „Integration durch Sport” des DOSB und ermutigte die Bielefelder Sportvereine ausdrücklich sich an diesem Programm zu beteiligen. Es wird auf Landesebene eigenverantwortlich von Landes- und Regionalkoordinationsstellen umgesetzt, die die Sportvereine, Netzwerkpartner und freiwillig Engagierten an der Basis in ihrer Integrationsarbeit konzeptionell, planerisch und organisatorisch unterstützen. Partner des Programms sind das Bundesministerium des Innern (BMI) und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Vesper betonte die Relevanz der Sportvereine in Bezug auf die Beteiligung von Migrantinnen und Migranten, warnte jedoch davor, die ehrenamtlichen Strukturen der Vereine zu überfordern. Die personellen Ressourcen, die für Veränderungen gebraucht werden, sind begrenzt. Einmal im Hinblick auf die Zahl der Mitarbeiter, zum anderen aber auch im Hinblick auf ihr Wissen und die notwendigen interkulturellen Kompetenzen.

Während der Vortragspausen wurden Rückfragen an das Podium gestellt. „Ein Verein, der Grenzen abbauen will braucht einen intensiven Vereinsentwicklungsprozess unter Beteiligung von Migrantinnen und Migranten”, erklärte Dr. Rolf Engels, „der schlussendlich zu einer interkulturell offenen Organisation führt. Ein gutes Beispiel ist unsere Cricket-Mannschaft. Die Initiative für ihre Gründung ging von einer Gruppe minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge aus, die in einer Bielefelder Clearing-Stelle untergebracht sind.” Und Karin Ünlüsoy ergänzt: „Die Studie von Frau Kleindienst-Cachay zeigt auf, dass in der Mehrzahl der Vereinsführungen über das Thema Integration von Migrantinnen und Migranten praktisch nie gesprochen und dazu auch keine Beratung gesucht wird. Das ist bei uns ganz anders. Unser verhältnismäßig kleiner Verein hat Mitglieder aus über 12 verschiedenen Nationen – und eher familiäre Züge.”

Kurz nach der Veranstaltung gab es bereits erste positive Effekte, wie uns Frau Kleindienst-Cachay mitteilte: „Herr Langen, der Geschäftsführer des TUS -Ost, hat Kontakt mit mir aufgenommen. Er interessiert sich für einen Beitritt zum ‚Netzwerk Integration’ des Landessportbundes NRW. Ich freue mich, dass derartige Veranstaltungen die Netzwerkbildung in Sachen ‚Integration’ fördern.” Aufgrund der positiven Reaktionen denkt die Ratsfraktion bereits über eine Anschlussveranstaltung nach. Lisa Rathsmann-Kronshage: „Sport hat auch in unserer Stadt eine große Bedeutung bei der Überwindung von kulturellen und nationalen Grenzen, indem er gemeinsame Erfahrungen und Erfolge ermöglicht. In Anbetracht der gesellschaftlichen Veränderungen mit gravierenden sozialen und kulturellen Wandlungsprozessen ist auch der organisierte Sport in Bielefeld gefordert, sich den aktuellen Herausforderungen zu stellen.”