Viele Wege führen zur Hochschulreife! Mehr Chancengerechtigkeit herstellen

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Das Ziel, mehr Jugendliche in Bielefeld zu höheren Schulabschlüssen führen zu wollen ist absolut richtig und viele Anstrengungen wert. Wer daraus folgert, dass Bielefeld vier bis fünf weitere Gymnasien benötigt

, der hat ein sehr eingeschränktes Bild von individuellen Bildungsgängen und den verschiedenen Bildungsangeboten in unserer Stadt.

Das Abitur kann an Gymnasien, aber auch an Gesamtschulen und in vielen Bildungsgängen an den Berufskollegs erworben werden. Die überwiegende Mehrzahl der Kinder mit einer Gymnasialempfehlung nach der Grundschule wird heute an einem der Bielefelder Gymnasien angemeldet. Hier wäre schon viel gewonnen, wenn es den Gymnasien gelänge, diese Kinder auch überwiegend zum Abitur zu führen. Auch wenn vor neun Jahren die Anmeldezahlen an Gymnasien geringer waren als heute, der Unterschied zwischen den Übergängen zum Gymnasium und dem Erreichen der Hochschulreife ist sehr groß. Das ist umso erstaunlicher, wenn man berücksichtigt, dass die Gymnasien in der Klasse 11 noch sehr viele Schülerinnen und Schüler von den Realschulen gewinnen und sich in der Gesamtzahl eines Abiturjahrgangs auch die Jugendlichen befinden, die an den Gesamtschulen und den Berufskollegs die allgemeine Hochschulreife erwerben.

Dr. Inge Schulze: „Zum Schuljahr 2010/2011 hatten von allen Kindern, die an den Grundschulen angemeldet wurden, 57% einen Migrationshintergrund. Die Begabungspotentiale dieser Kinder müssen wir in Zukunft viel stärker nutzen. Ich bezweifle, dass das am Gymnasium mit dem Turbo-Abitur gelingen kann. Statt über neue Gymnasien zu spekulieren, sollten wir uns eher z.B. an Gesamtschulen orientieren, wo schon heute Kinder mit Migrationshintergrund bessere Bildungschancen haben und häufig das Abitur erreichen. Es ist deshalb notwendig, in Bielefeld an einer Veränderung der schulischen Angebote, der Verbesserung der Unterstützung und Förderung von Kindern aus sog. bildungsfernen Schichten durch mehr Ganztag, mehr Individualisierung aber auch an mehr finanziellen Hilfen für arme Kinder zu arbeiten. Die Quote von höheren Abschlüssen kann nur durch mehr Chancengerechtigkeit gesteigert werden.“