Wir stellen Britta vor


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Britta Haßelmann ist Abgeordnete und erste parlamentarische Geschäftsführerin der GRÜNEN Bundestagsfraktion. Im Zuge des Wahlkampfes spricht unser Wahlkampfpraktikant Colin Matsinhe mit ihr über kommunales Engagement und ihre politische Motivation.

 

Hallo Britta, stell dich doch gern noch einmal unseren Leser*innen vor. Wie bist du zu den GRÜNEN gekommen und was ist deine aktuelle Position im Bundestag

Ich bin Britta Haßelmann und kandidiere für die GRÜNEN als Direktkandidatin für Bielefeld und Werther für den Deutschen Bundestag. Ich bin 55 Jahre alt und lebe seit 1983 in Bielefeld. Nach meinem Studium der sozialen Arbeit habe ich auch in dem Beruf gearbeitet und bei der Bielefelder Selbsthilfe der Stadtsanierungsinitiative gegen Stadtzerstörung und Wohnungsnot mitgewirkt. Durch dieses Engagement habe ich dann 1989 die GRÜNEN, damals noch die Bunte Liste, kennengelernt.

Sie waren zu der Zeit die einzige politische Kraft, die ebenfalls gegen die ambitionierten Abriss- und Neubaupläne von der CDU und SPD gekämpft haben. Die Sadtsanierungspläne sahen damals vor, Wohnungsbau in der Bielefelder Innenstadt durch einen Flughafen und eine Stadtautobahn zu ersetzen.

Daraufhin habe ich mich als parteilose sachkundige Bürgerin im Sozial- und Wohnungsausschuss für die Liste der GRÜNEN Bielefeld engagiert. 1994 bin ich dann über den Kreisverband der Bielefelder GRÜNEN der Partei beigetreten und Mitglied im Stadtrat geworden. Bis 2000 habe ich kommunalpolitisch gearbeitet und bin danach Landesvorsitzende der GRÜNEN in NRW geworden. 2005 wurde ich erstmals Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 2013 bin ich erste parlamentarische Geschäftsführerin und kommunalpolitische Sprecherin der GRÜNEN Bundestagsfraktion, sowie Mitglied im Vermittlungsausschuss.

 
Das ist ja ein sehr spannender Lebenslauf mit vielen (politischen) Stationen.
Gibt es eine Essenz aus all den Jahren deiner Arbeit, die dich heute in deinem politischen Wirken prägt? Welche ist das?

Ja, definitiv! Die Tatsache sich einzumischen ist mir sehr wichtig. Darum habe ich mich in der Stadtsanierungsinitiative engagiert. Ich wollte mich nicht abfinden mit diesen Dingen. Das hat mich letztlich auch dazu motiviert, mich politisch zu engagieren. Ob man das wie ich in einer Partei, in einer Initiative oder in einem bestimmten Projekt tut ist nicht wichtig. Es ist einfach gut sich einzumischen und einzubringen. Für oder auch gegen etwas zu streiten. Das habe ich aus der Zeit der Stadtsanierung mitgenommen und das treibt mich auch heute noch an.

 
Die Stadtsanierung war also ein Schlüsselmoment in deiner politischen Laufbahn?

Absolut. Die Stadtsanierungsbewegung hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, sich einzumischen und für seine Ideen zu streiten. Am Ende sind in Bielefeld viele Gebäude, die abgerissen werden sollten, stehen geblieben. Das hat natürlich zum einen daran gelegen, dass die Finanzierung mit der Zeit schwieriger wurde, aber auch am bürgerschaftlichen und politischen Widerstand. Das haben die GRÜNEN auch in anderen Themenfeldern gezeigt. Am Niederrhein, wo ich aufgewachsen bin, sollte eine Atomanlage gebaut werden. Dem Widerstand der Anti-Atombewegung und der GRÜNEN gegen die gefährliche Atomenergie ist zu verdanken, dass diese nie ans Netz gegangen ist. Stattdessen steht dort heute die Freizeitanlage Kernwasser Wunderland.

 

Große Bauprojekte sind immer wiederkehrende Themen, die uns in den Städten bewegen. In Hamburg, aber ebenso in Bielefeld gibt es dafür bekannte Beispiele. Inwiefern sind Bauprojekte der richtige Weg um eine Stadt attraktiver und lebenswerter zu gestalten? Debatten, zum Beispiel um den Kesselbrink, sind immer wieder aktuell.

Man muss sich das immer genau ansehen. Beim Kesselbrink haben wir GRÜNE 20 Jahre lang dafür gestritten, dass dieser Platz nicht weiter innerstädtisch verdichtet und bebaut wird. Pläne von manchen Baudezernent*innen waren zum Beispiel der Bau einer kleinen Hochhausmetropole mit Bürotürmen und Ähnlichem. Uns war es dabei wichtig mehr Aufenthaltsorte und Qualität zu haben. Das ist auch heute noch aktuell, wenn ich an den Jahnplatz und die Innenstadt denke. Ich meine, schau dir an wie viele Leute heute hier auf dem Kesselbrink sitzen und die Mittagspause genießen. Ich finde es klasse, dass es uns gelungen ist, diesen innerstädtischen Platz vor Bebauung freizuhalten, dafür dass dort der regionale Wochenmarkt, die Skateanlage und andere Veranstaltungen stattfinden können. Das zeigt mit erneut, wie wichtig kommunalpolitisches Engagement, für Fragen der Lebensqualität in kultureller, sozialer, handwerklicher und wirtschaftlicher Hinsicht ist.

 

Was sind deine nächsten Projekte auf kommunaler und Bundesebene?

Ich finde, wir müssen im Bundestag etwas verändern, wenn es um die Fragen von Armut und Gleichheit geht. In einem reichen Land wie unserem leben immer noch ungefähr 2 Millionen Kinder in Kinderarmut. Jedes fünfte Kind hat aufgrund der materiellen Lebensverhältnisse seiner Eltern nicht die gleichen Chancen, wie andere Kinder, deren Eltern finanziell gut dastehen. Das ist ein unerträglicher Zustand, an dem unbedingt etwas geändert werden muss. Es sollte für alle Kinder eine Grundsicherung und gute Bildungschancen geben.

Außerdem treibt mich momentan die Frage um, was wir lokal regional, national sowie international tun können, um unser Klima zu schützen. Zur Bekämpfung der Klimakrise müssen die vielen internationalen Verpflichtungen auch wirklich in die Tat umgesetzt werden. Bei der Weltklimakonferenz in Paris haben wir zwar als Land die internationalen Klimaziele vereinbart, jedoch national dafür nichts getan.

Konkret sind mir außerdem diese vier Anliegen besonders wichtig:

Ich will, dass die zwanzig dreckigsten Kohlekraftwerke abgeschaltet werden!

Ich will, dass wir endlich über eine Verkehrswende diskutieren!

Ab 2030 sollen keine Verbrennungsmotoren mehr hergestellt werden.

Das sind Projekte, für die ich mich stark machen will.

 

Vielen Dank für deine Zeit und weiterhin viel Kraft im Wahlkampf.

 

Ihr wollt mehr zu Britta und ihrer Arbeit erfahren? Mehr Informationen gibt es hier.