Im vergangenen Jahr hat die Enquetekommission des nordrhein-westfälischen Landestages Chancengerechtigkeit in der Bildung ihren Bericht vorgelegt. Der Bericht der überfraktionellen Arbeitsgruppe bietet Entscheider*innen umfassende Informationen, fundierte Analysen und Handlungsempfehlungen für eine chancengerechtere Bildungspolitik. Die Enquetekommission hat die Vorschläge auch den verschiedenen Ebenen und Zuständigkeiten zugeordnet – unter anderem den Kommunen.
Chancenungleichheit wird v.a. für die Themenfelder „Bildungsstrukturen und Organisation“ sowie „Übergänge“ attestiert. Die Kommission empfiehlt sowohl dem Land als auch den Kommunen „eine Bildungssteuerung, die auf Chancengleichheit zielt, durch datenbasierte Analysen umzusetzen. Nur wenn Ungleiches ungleich behandelt wird, bekommen alle die gleichen Chancen“ (S. 200). Vor diesem Hintergrund stellen wir in der Sitzung des Schul- und Sportausschusses am 13. Oktober 2026 folgenden Antrag:
- Die Verwaltung prüft Entscheidungen im Rahmen kommunaler Bildungssteuerung im Hinblick auf das Ziel größtmöglicher Chancengerechtigkeit und
- Und inwieweit diese dem Grundsatz „Ungleiches mit Ungleichem zu behandeln“ folgen
- Des Weiteren prüft die Verwaltung die im Abschlussbericht der Enquetekommission formulierten Handlungsempfehlungen, die sich auf die Kommune beziehen, auf ihre Umsetzbarkeit in Bielefeld. Die Ergebnisse ihrer Prüfung stellt die Verwaltung im Schul- und Sportausschuss vor. Die Prüfung sollte klären.
- Von welchen noch nicht umgesetzten Handlungsempfehlungen Bielefeld profitieren könnte.
- Welche Finanzierungsmöglichkeiten es für die Umsetzung von Handlungsempfehlungen gibt (auch unter Zuhilfenahme von Fördergeldern des Landes oder auch kommunaler Stiftungen oder Unternehmen)?
Begründung:
Die Stadt Bielefeld hat mit dem Leitbild Bildung der Bildungsregion Bielefeld eindeutige Leitziele und Leitlinien benannt und auch die Handlungsfelder identifiziert. Dabei sind die zentralen Leitziele Bildungsgerechtigkeit und ganzheitliches Bildungsverständnis (orientiert am UNESCO-Lernbegriff) richtungsweisend. Im Februar vergangenen Jahres hat sich der Schul- und Sportausschuss das Leitbild für die Bildungsregion Bielefeld fortgeschrieben und damit den Anspruch unterstrichen, eine wirksame, bedarfsgerechte und praxisorientierte Bildungsstrategie zu verfolgen.
Die Erkenntnis und der Vorsatz, dass Bildung(sgerechtigkeit) in Bielefeld verbessert werden muss, ist vorhanden. Bielefeld verfügt mittlerweile über eine umfassende Datenbasis, auf deren Grundlage fundierte Entscheidungen zur Herstellung von Chancengerechtigkeit getroffen werden können. Trotzdem kann auch in Bielefeld von Bildungsgerechtigkeit und gleichen Chancen für alle Kinder keine Rede sein. Das in allen städtischen Lernreporten nachzulesen.
Deshalb sollte die Stadt Bielefeld die wissenschaftlich fundierten und von allen demokratischen Landtagsfraktionen getragenen Ergebnisse nutzen und dort die den verschiedenen Akteur*innen und Politikebenen zugeordneten Handlungsempfehlungen umsetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Lisa Brockerhoff