Graffiti entdecken

Auch in Bielefeld ist Streetart inzwischen als Kunstform anerkannt. Aus gutem Grund. Davon hat sich die GRÜNE Ratsfraktion bei ihrer Sommeraktion „Radeln zur Streetart“ überzeugt. Geführt wurde die Radtour von Frederik Brockmeyer vom Verein hoch2wei. hoch2wei informiert und berät seit 10 Jahren zu Graffiti, hat über Festivals internationale Künstler*innen in die Stadt geholt und auch die Idee einer Hall of Fame an der Mindener Straße angeregt und hartnäckig verfolgt.

Sechs Jahre hat es gedauert vom politischen Beschluss bis zur Einweihung der fast 300.000 Euro teuren, vom Land und der Stadt Bielefeld finanzierten Betonwände in diesem Sommer. Jetzt kann sich die Szene an mehreren Wänden auf 175 Meter Fläche austoben und ausprobieren – legal, öffentlich und kostenlos. „Die Hall of Fame und auch weitere jetzt freigegebene legale Flächen werden sich positiv auf die Professionalisierung der Graffiti-Szene auswirken“, ist sich Frederik Brockmeyer sicher. „Das wird sich in den nächsten Jahren bemerkbar machen“.

Welches Potenzial in dieser Kunstform steckt, haben die Radler*innen auf ihrer Radtour gesehen. Zum Beispiel das jüngste Mural von der spanischen Künstlerin Yubia in der Arndstraße, dass gerade erst zur Einweihung der Hall of Fame entstanden ist. Oder das älteste von hoch2wei angeregte Bild in Heeper Straße 76. Die Künstler Sobek und Kcis aus Wien haben hier 150 Quadratmeter Fassade wild und bunt gestaltet. Beeindruckend ist auch das Mural von _satone_ in der Herforder Straße Nähe Willy-Brand-Platz, das auch beim ersten hoch2wei-Festival entstanden ist und dem Verein ordentlich Lehrgeld gekostet hat. Denn das Bild wurde wegen einer Ultramarin-Farbe 3.000 Euro teuerer als geplant. Herausfordernd sei dieses Werk auch gewesen, weil der Künstler nicht schwindelfrei ist und für ihn die Kanzel des Hubwagens abgeklebt werden musste.

Um viele solche Geschichten reicher und über Graffiti und seine Vielseitigkeit klüger – die gut zweistündige Radtour zu Graffiti in Bielefeld hat sich für die gut 20 Teilnehmer*innen gelohnt. Bernd Ackehurst, kulturpolitischer Sprecher der GRÜNEN Ratsfraktion: „Ich bin gespannt, welche Potenziale die besseren Arbeitsbedingungen in der Graffiti-Szene freisetzen. Auf legalen Flächen lässt es sich entspannter arbeiten, sich ausprobieren und damit auch sich weiter entwickeln. Gut wäre, wenn die Künstler*innen auch abends an der Hall of Fame arbeiten könnten. Mit solarbetriebenen Lampen wäre das möglich. Wir sollten in Bielefeld gute Bedingungen für diese Spielart der Kunst im öffentlichen Raum schaffen.“