Vorfahrt für Autofahrer: Im Gänsemarsch zum Siggi?

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Im Rahmen eines „Fraktion vor Ort”-Termins haben die Grünen Anfang September die Gehwegsituation rund um den Siegfriedplatz begutachtet, wo immer mehr Raum für Fußgänger verloren geht.

Zum Hintergrund: Nachdem Anfang Juli 2011 an der Siegfriedstraße für auf dem Gehweg abgestellte Autos „Knöllchen” durch das Ordnungsamt verteilt wurden, parkten die AutofahrerInnen direkt auf der Straße. Damit war zwar der Gehweg wieder frei, die Autos versperrten jedoch die Durchfahrt für Busse und LKWs Auch die Erreichbarkeit für Rettungsfahrzeuge war gefährdet. Um diese Probleme zu lösen, ließ das Amt für Verkehr am 12. Juli auf der Siegfriedstraße, zwischen Roland- und Schlosshofstraße, auf dem rechtsseitigen Bürgersteig Parkmarkierungen aufmalen, wodurch nun auf dieser Seite das Parken auf dem Gehweg legalisiert wurde. Dieser wird dadurch teilweise unter 1,20 m breit, eine Begegnung zwischen zwei Personen, die mit Kinderwagen oder Rollator unterwegs sind, ist nicht mehr möglich.

Bernd Küffner vom „Bürgerbüro Verkehrssicherheit” erläutert, dass das Maß von 2,20 m die Mindestbreite für Gehwege ist und die Regelbreite, laut „Richtlinie für das Anlegen von Stadtstraßen” 2,50 m beträgt. Damit ist das Nebeneinander gehen, bzw. der Begegnungsfall berücksichtigt und FußgängerInnen brauchen nicht auf die Fahrbahn auszuweichen. Besonders für Kinder ist die Gefahr groß von den AutofahrerInnen übersehen zu werden, wenn sie zwischen zwei geparkten Autos auf die Straße ausweichen müssen, da sie kleiner sind und nicht über diese hinweg reichen. Bei der Gestaltung der Stadtstraßen können, je nach örtlicher Situation, erhebliche Mehrbreiten, bspw. für Schaufenstervorzonen, Haltestellen-Warteflächen und Kinderspiel eingeplant werden.

Inge Schulze betonte, dass Fußwege für FußgängerInnen da sind und, dass die Perspektive für diese zunehmend verloren geht. Sie vermutet auch, dass sich FußgängerInnen mehr gefallen lassen und sich weniger beschweren, wenn sie durch zu wenig Platz auf dem Bürgersteig behindert werden, als es AutofahrerInnen tun. Kein Verständnis hat sie dafür, dass an der Siegfriedstrasse ein Konflikt ohne Prüfung anderer Alternativen kurzerhand zu Lasten der FußgängerInnen „gelöst” wurde. Die Position des Amtes für Verkehr, die Situation für FußgängerInnen habe sich nicht verschlechtert, weil zumindest auf einer Seite der komplette Gehweg „autofrei” sei, kann sie nicht akzeptieren.

Der Parkdruck in diesem Quartier bleibt weiterhin hoch, trotz verengtem Gehweg. Klaus Rees, direkt gewähltes Ratsmitglied am Siegfriedplatz, möchte gemeinsam nach Lösungen suchen und hält eine Einbahnstraßen-Lösung für die Siegfriedstraße für denkbar, denn so könnten die Autos durchgehend auf einer Fahrbahnseite parken, beide Gehwege blieben frei. Nach Ansicht von Bernd Küffner könnten andere Parkoptionen der große Parkplatz an der „Alm”/Schüco-Arena oder das Parkhaus an der Jöllenbecker Straße sein, wodurch es zu mehr Wohnqualität vor Ort kommen würde.