Die Grünen wenden sich vehement gegen eine Renaissance der Atomkraftwerke. „Atomenergie ist und bleibt eine Hochrisikotechnologie“, erklärte jetzt Norika Creuzmann, die anti-atom-politische Sprecherin der NRW-Landtagsfraktion, in Bielefeld. Vor rund 35 Teilnehmenden der Veranstaltungsreihe „Perspektive (in) grün“ des grünen Kreisverbandes Bielefeld warnte die Landtagsabgeordnete aus Paderborn, dass damit erhebliche Gefahren und Risiken verbunden sind sowie Milliardenkosten in ungeahnter Höhe für Bau, Betrieb und Rückbau entstehen.
Die kleinen Atomkraftwerke (SMA / Small Modular Reactor), die derzeit vielfach angepriesen würden, „sind deutlich teurer im Vergleich zu herkömmlichen Atomkraftwerken“, so Creuzmann. Wenn, dann müsste man sie in Massen herstellen. Aber, die Erfahrungen zeigten: „Atomkraftwerke können normalerweise nicht mal eben so schnell gebaut werden, das dauert bisher locker 15 Jahre.“
Und dabei komme es zu explodierenden Preisen. Ein Kraftwerksblock im französischen Flamanville sollte ursprünglich 3 Milliarden Euro kosten, 24 Milliarden wurden es.
Gleichzeitig gebe es noch keine funktionierenden Endlager für den für Jahrmillionen strahlenden Atommüll – und das brauche jedes Land für seinen Atommüll: „Als einziges Land will Finnland jetzt eines in Betrieb nehmen. Deutschland sucht noch.“ Und die Politikerin schätzte: „Von den Menschen hier heute Abend wird wohl niemand mehr den Betrieb eines Endlagers in unserem Land erleben.“ Und wenn es wirklich eines gebe, frage sie sich: „Was ist, wenn Leute die Behälter dort in 500 Jahren einfach mal aufmachen?“ Creuzmann erinnerte auch an die vielen Störfälle in Atomkraftwerken und vor allem an die großen Unfälle in Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011. Es sei „erschreckend“, dass viele das nun einfach ausblenden würden.
Der Bielefelder Grünen-Politiker Klaus Rees, Anti-Atom-Aktivist seit 50 Jahren und über 35 Jahre im Bielefelder Rat, fand es vor allem erschreckend, dass „nun auch die Europäische Union Atomkraft als umweltfreundliche Energie ansieht“. Rees: „Es ist unverantwortlich von Staaten, auf Atomenergie zu setzen ohne zu wissen, wo es ein Endlager gibt. Dabei gibt es so viele Alternativen der Stromerzeugung. Wir Grüne haben gute Argumente und müssen Contra geben.“
Gleichzeitig sei es wichtig, die erneuerbaren Energien auszubauen, forderte Dr. Adele Gerdes von der Bielefelder Energiegenossenschaft (BIEGE): „Auf den Dächern unserer Häuser haben wir in Bielefeld unser größtes Potential.“ Auch auf vielen öffentlichen Gebäuden wie Schulen könnten Photovoltaik-Anlagen entstehen. Die BIEGE, eine von Bielefelder*innen gegründete Genossenschaft, steht Bürger*innen mit Rat und Tat zur Seite beim Aufbau von Balkon- oder Garagen-PV, organisiert Workshops oder Info-Abende. „Die BIEGE übernimmt, falls nötig, das gesamte Programm: Konzept, Errichtung, Betrieb einer PV-Anlage“, so Gerdes. Mittlerweile hat die Genossenschaft rund 60 Mitglieder.
„Solche Initiativen machen Mut und stärken die sichere Energiewende ohne Atomkraft“, erklärte die Moderatorin und Co-Vorsitzende der Bielefelder Grünen, Brigitte Meier. Und sie wies darauf hin, dass sich der Anteil von Atomstrom trotz aller Unkenrufe weltweit verringert: „2024 war der Anteil von Atomstrom weltweit bei neun Prozent. 1996 waren das noch rund 18 Prozent.“
Die nächste „Perspektive (in) grün“ ist für den 24. Juni geplant. „Und das wieder mit einem aktuellen Thema aus der Kommunalpolitik“, so Meier.