Rund 180 Gäste kamen zur „Perspektive-in-grün“ zum Thema Klimakrise, Klimaanpassung und Hitze in die Hechelei mit Landesminister Oliver Krischer sowie Britta Haßelmann und Martin Adamski.

„Ich glaube, dieser Sommer ist eine Zäsur.“ Angesichts der Hitze könne niemand mehr die Folgen der Klimakrise ignorieren, sagte Britta Haßelmann vor 180 grünen und interessierten Gästen in der Hechelei bei unserer „Perspektive-in-grün“-Veranstaltung zum Thema „Handeln gegen Klimakrise und Hitzestress“. Die Bielefelder Bundestagsabgeordnete appellierte an die Bundesregierung endlich zu handeln: „Es sind 14.000 Menschen einen ganz leisen Tod gestorben. In Köln und sicher auch anderenorts gab es weit mehr Notarzt-Einsätze an den Hitzetagen.“
Grüne fordern im Bundestag Sofortprogramm und Grundgesetzänderung
„Im Bundestag haben wir ein Sofortprogramm gefordert, unter anderem für Kühlung in Schulen oder Kliniken. Auch das Geld aus dem Klima- und Transformationsfonds darf nicht gekürzt oder verschoben werden“, so die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Grünen im Bundestag. „Bisher sei geplant, 13 Milliarden Euro aus dem Fonds in den allgemeinen Haushalt zu stecken, für die Jahre 2027 bis 2030. Auch verhindere die CDU/CSU eine Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung ins Grundgesetz aufzunehmen, weil man dafür die Linken brauche: „Für so einen Quatsch haben wir keine Zeit! Diese Regierung wird das nicht halten können.“
Krischer: „Planungen klimagerecht machen“

Dass auch ohne Berlin schon viel passiert, machte Oliver Krischer, NRW-Umwelt- und Verkehrsminister, in der Hechelei deutlich: „Wir machen es anders als die Bundesregierung.“ Angesichts historischer Tiefstände an Flüssen, Rekorddürre und Rekordtemperaturen müssten Klimaschutz und -anpassung eine Pflichtaufgabe sein. Krischer will „eine systematische Auseinandersetzung“: „Es ist wichtig, Planungen klimagerecht zu machen.“ Die schwarz-grüne Landesregierung stecke mehrere hundert Millionen Euro in Projekte für Klimaschutz- und -anpassung; mehr als die Vorgängerregierung: „Ich weiß, das ist noch zu wenig“, so Krischer. Das müsse ausgebaut werden: „Denn wir müssen mit dem veränderten Klima leben.“
Adamski: „Seien Sie weiter laut, was Klimaschutz angeht!“
Dennoch: für die Kommunen habe die neue Politik in Berlin auch Unsicherheiten gebracht, machte Bielefelds Umwelt- und Verkehrsdezernent Martin Adamski deutlich: etwa beim Thema Wärmeplanung. Das zeige sich auch daran, dass der Einbau von Gasthermen zeitweise wieder gestiegen sei. Auf kommunaler Ebene müsse noch weit mehr für Bäume und Grün getan werden, so Adamski. „Wir brauchen mehr klimaresiliente Bäume wie etwa Platanen. Und wir brauchen mehr monetäre Anreize für Entsiegelungsmaßnahmen.“
Der Dezernent wies aber auch auf Erfolge hin. Der klimaresiliente Umbau der Klosterplatzes geschehe mit mehr Bäumen und mit Regenwasserspeicherung. „Wir haben bisher elf Trinkwasserbrunnen geschaffen. Es gibt ein Hitzetelefon, Hitzepaten. Die Stadt ist auch bemüht, mehr Fotovoltaik auf die eigenen Dächer zu bringen.“ Aber Adamski appellierte auch an die Gäste in der Hechelei: „Seien Sie weiter laut, was Klimaschutz angeht!“
Viele Fragen von den Besucher*innen

Dass das Thema bewegt, machten die aufmerksamen Besucher*innen auch in der Diskussion mit den Vortragenden deutlich: Wo bleiben die einfachen schnellen Ideen gegen Hitze? Was ist mit der Brandgefahr im Teutoburger Wald? Warum gibt es kein Tempolimit? Wie schützen wir unsere Kinder? Und wie bereiten wir sie auf die Zukunft vor? Das waren nur einige der vielen Fragen.
Die Moderatorinnen Christina Osei, grüne Landtagsabgeordnete, und Brigitte Meier, grüne Bielefelder Co-Vorsitzende, forderten die Gäste auf, sich mit ihren Ideen und Vorschlägen an Politiker*innen zu wenden und auch die Grünen in Bielefeld anzusprechen.
Die nächste „Perspektive-in-grün“ findet statt am 6. November.