Anlässlich des vierten Jahrestages des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat die GRÜNE Ratsfraktion mit Vertreter*innen der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft über zentrale Herausforderungen bei der Integration ukrainischer Geflüchteter gesprochen. Im Mittelpunkt standen dabei gravierende bürokratische Hemmnisse, die den Alltag der Betroffenen belasten und eine erfolgreiche Teilhabe erschweren.
Besonders problematisch gestaltet sich die Verlängerung von Aufenthaltstiteln. Trotz einer Verordnung zur automatischen Verlängerung bis 2027 berichten Geflüchtete von vielfältigen Problemen in den Verfahren. „Intransparente Ermessensspielräume sorgen für permanenten Stress und Verunsicherung“, kritisiert Ratsfrau Hannelore Pfaff. „Das erschwert den Zugang zu staatlichen Institutionen, Banken und Behörden und kann im Einzelfall sogar den Arbeitsplatz gefährden. Diese Praxis ist nicht nur ineffizient, sondern diskriminierend.“
Ein weiteres zentrales Thema ist die berufliche Eingliederung. Viele Geflüchtete scheitern trotz vorhandener Qualifikationen an der Anerkennung ihrer Abschlüsse oder an fehlenden Sprachkursangeboten über dem Niveau B1. „Für eine echte Teilhabe braucht es gezielte Förderung – etwa durch berufsbezogene Sprachkurse und unbürokratische Anerkennungsverfahren“, fordert Lisa Brockerhoff, bildungspolitische Sprecherin der Grünen. Angesichts von bürokratischen Hürden und intransparenten Vorgaben sei es ausgesprochen schwer, herkunftssprachlichen Unterricht (HSU) zu realisieren. Zudem seien Sprachmittler*innen oft mit Diskriminierung konfrontiert
Während der Gesprächsrunde knüpfen Ukrainerinnen weiter an Tarnnetzen, die sie für die Front in der Ukraine produzieren und zeigen auf Wachslampen aus Kerzenresten, für Nächte ohne Strom. „Wir werden oft gefragt, wie es uns geht. Wir sagen ‚gut‘, doch wie es in unserem Inneren aussieht, das kann man nicht in einem Satz sagen“, beschreibt Tanja Schuh von der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft die emotionale Belastung vieler Ukrainer*innen.
Alle Anwesenden waren sich einig im Dank an die vielen Ehrenamtlichen aus allen Teilen der Gesellschaft, die den Geflüchteten beistehen. Ana Jakupi, Mitglied der Grünen im Ausschuss für Chancengleichheit und Integration, freut sich auf die Zusammenarbeit mit Roxana Lange in diesem Gremium. Diese will als Ukrainerin, vor allem aber als Pädagogin ihre Erfahrungen besonders im Bereich Schule für alle Kinder in vergleichbarer Lebenslage einbringen.