Die Berichte von Abschiebungsreporting NRW und dem AK Asyl e.V. Bielefeld über die Abschiebung eines 26-jährigen Mannes im November 2025 sind erschütternd und politisch untragbar. Dass ein schwer erkrankter Mensch während einer psychiatrischen Behandlung im Ev. Klinikum Bethel durch einen vermeintlichen beruflichen Termin in einen Hinterhalt gelockt und anschließend ohne medizinische Abstimmungen mit den behandelnden Ärzt*innen nach Guinea abgeschoben wurde, zeugt von einer verantwortungslosen Behördenpraxis. Besonders schwer wiegt, dass ausdrückliche Warnungen des Klinikums ignoriert wurden und die Zusicherung einer medikamentösen Übergangsversorgung offenbar nicht eingehalten wurde.
Auch in einer von uns gestellten Anfrage am 01. Juli 2026 im Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration wurden die Vorwürfe nur unzureichend kommentiert, zentrale Kritikpunkte des Berichts blieben schlicht ungeklärt.
Lars Bauerdick, Ratsmitglied und integrationspolitischer Sprecher der GRÜNEN Fraktion: „Zahlreiche medizinische Fachverbände, unter anderem die deutsche Ärztekammer, haben immer wieder klargestellt, dass Abschiebungen aus einer psychiatrischen Behandlung aufgrund des hohen gesundheitlichen Risikos zwingend ausgeschlossen werden müssen. Dass die Ausländerbehörde Bielefeld so eine Abschiebung dennoch vorgenommen hat und sich dabei offenbar sogar über die Einschätzung der behandelnden Ärzt*innen hinweg gesetzt hat ist untragbar. Wir fordern eine kritische Evaluierung dieses Falles und eine Anpassung der Abläufe, um die erheblichen gesundheitlichen Risiken in Zukunft ausschließen zu können.“
Unsere gesamte Anfrage und Antwort der Verwaltung im Ratsinformationssystem: https://anwendungen.bielefeld.de/bi/vo0050.asp?__kvonr=43885