Die Künstler*innen des Kulturhauses „Ostblock“ sollen wieder Platz machen. Vor drei Jahren hatten sie ihre 38 Ateliers im Labortrakt der ehemaligen Fachhochschule in der Werner-Bock-Straße für Geflüchtete aus der Ukraine geräumt. Jetzt plant der Sozialdezernent die Beratungsstelle für Obdachlose während der ein bis zwei-jährigen Sanierung des derzeitigen Standortes der „KAVA“ im Kulturhaus unterzubringen. Sieben Arbeitsräume würden wegfallen, 15 Künstler*innen ihren Arbeitsraum verlieren und zudem würden auch rund 1.000 Euro Mieteinnahmen im Monat fehlen. Die Verantwortlichen des Vereins „Ostblock“ beklagen, dass aus dem Sozialdezernat kein Gespräch mit ihnen gesucht wurde.
Die neuerliche Anforderung an das Kulturhaus, anderen Bedarfen Platz zu schaffen, weist auf strukturelle Probleme hin: Mangelnde Kommunikation zwischen den Akteur*innen und fehlende Planungssicherheit für Kulturschaffende in Bielefeld. „Das Kulturhaus Ostblock ist seit Jahren ein unverzichtbarer Ort des künstlerischen Schaffens, der Begegnung und des gesellschaftlichen Engagements“, betont Christina Osei, Co-Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Bielefeld. „Wer Kulturräume auf Zeit vergibt, bekommt Kultur auf Zeit. Wir brauchen Verlässlichkeit – keine Provisorien. Die erneute Infragestellung von Atelierräumen untergräbt das Vertrauen in die Stadtverwaltung. Zugleich setzt sie eine fatale Signalwirkung: Wenn Kulturorte ständig als Reserveflächen dienen, verlieren städtische Zusagen an Verlässlichkeit.“
„Die dringend notwendige Renovierung der „KAVA“ am bisherigen Standort ist wichtig, um die Situation der obdachlosen Menschen dauerhaft zu verbessern“, sagt Joachim Hood, sozialpolitischer Sprecher der Ratsfraktion. „Wir haben uns im Sozial- und Gesundheitsausschuss dafür eingesetzt, dass die Verwaltung frühzeitig mit den Verantwortlichen des Kulturhauses spricht und ggf. Alternativen für die nun ohne passende Räumlichkeiten dastehenden Künstler*innen zu finden.“ Für die Grünen Fachpolitiker*innen ist zentral, dass es kein ‚entweder Kultur oder Soziales‘ geben darf. Die Bedürfnisse von obdachlosen Menschen und Künstler*innen können nicht gegeneinander ausgespielt werden. Beides sind öffentliche Aufgaben.“ Die Stadt soll kurzfristig Gespräche auf Augenhöhe führen und mit allen Beteiligten eine tragfähige Lösung entwickeln.
„Dazu gehört auch die Klärung der Eigentumsfrage mit dem BLB NRW durch die Verwaltung, um dem Kulturhaus Ostblock eine langfristige Perspektive aufzuzeigen“, betont Christian Osei. Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein Wirtschaftssektor, der Arbeitsplätze schafft, Talente anzieht und sie an Bielefeld bindet.