Förderschulen stärken

GRÜNE warnen davor, eine neue Förderschule überhastet zu gründen. Qualität und Ganztag an Förderschulen muss in Bielefeld und der Region gesichert werden.

Die GRÜNE Ratsfraktion sieht die geplante Errichtung einer städtischen Förderschule kritisch, Sie fordert, den Start der Schule zum Schuljahr 2026/2027 auszusetzen und die fehlenden Schulplätze zunächst an den Förderschulen freier Träger zu schaffen.  Solange zentrale Fragen zur Lehrerversorgung, Qualitätssicherung und Ganztagsbetreuung nicht geklärt sind sollten die Planungen zurückgestellt werden. „Bevor es zu einem Provisorium in der ehemaligen Marktschule kommen kann, braucht es ein Konzept für die Schule, für die es hohe Anforderungen an Räume gibt weit über Klassenräume hinaus. Das sehen wir bis zum Sommer qualitativ nicht umsetzbar.  Lern-, Betreuungs- und Therapiebedingungen einer möglichen städtischen Förderschule müssen vergleichbar mit den Förderschulen freier Träger wie der Schule am Möllerstift, der Sonnenhellweg- oder der Mamre-Patmos-Schule sein. “, sagt Lisa Brockerhoff, Mitglied im Schul- und Sportausschuss.

Neben baulichen Schwierigkeiten sehen die Grünen vor allem die fehlende Lehrer*innenversorgung kritisch. Denn die Bezirksregierung Detmold hat schon eingeräumt, dass sie die notwendige Lehrerversorgung für eine Schulneugründung nicht gewährleisten kann. Bereits jetzt kommt es im Regierungsbezirk zu erheblichen Unterrichtsausfällen an Förderschulen mit den Schwerpunkten Geistige Entwicklung (GE) sowie Körperliche und motorische Entwicklung (KME). Mit dem Start von drei neuen Förderschulen für GE in Bielefeld, Herford und Minden-Lübbeke , soll nun die Unterrichtszeit weiter verkürzt werden. Nach Angaben der Elternvertretungen hat dies gravierende Folgen für Unterricht, Therapieangebote und Ganztagsstrukturen.

„Der gebundene Ganztag ist kein Zusatzangebot, sondern Kern des pädagogischen Konzepts an Förderschulen und für den Förderschwerpunkt GE sogar gesetzlich vorgeschrieben. Der Ganztag ermöglicht die Rhythmisierung von Lern- und Erholungsphasen sowie die Integration von Therapien in den Schulalltag“, betont Lisa Brockerhoff. „Ab August 2026 gilt der bundesweite Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung im Primarbereich. Für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf darf daraus keine Schlechterstellung resultieren.“

„Wer neue Schulen gründet, ohne Lehrkräfte zu haben, verschiebt das Problem nur und verschärft es an anderer Stelle. Unterrichtskürzungen betreffen nicht nur Lernzeiten, sondern auch essenzielle Therapieangebote wie Physio- und Ergotherapie oder Schwimmunterricht“, erklärt Dominic Hallau, Co-Fraktionssprecher der Grünen in Bielefeld. „Für viele Familien sind diese Betreuungslücken existenzbedrohend, da geeignete Alternativen kaum vorhanden und finanziell nicht tragbar sind.“ Die GRÜNEN regen an, gemeinsam mit Elterninitiativen wie „Eltern für Inklusion“ Qualitätskriterien für eine mögliche Schulneugründung zu definieren und auch die Bedingungen für inklusives Lernen an allgemeinen Schulen deutlich zu verbessern. Hallau: „Wenn die Inklusion an Regelschulen besser wird, brauchen wir nicht so viele Plätze an Förderschulen. Deshalb bedauern wir, dass die inklusive Sekundarschule und auch das `Bielefelder Beratungs- und Unterstützungszentrum´ auf dem geplanten Bildungscamps laut Koalitionsvertrag nicht weiterverfolgt werden sollen“.