Stadtplanung braucht mehr Transparenz und Teilhabe

Stadtplanung in Bielefeld muss sehr viel transparenter und mit mehr Beteiligung der Öffentlichkeit stattfinden. Das ist das Ergebnis einer Diskussion zum Thema „Innenstadt 2035“, zu der die Grünen in den Pioneers Club eingeladen hatten. „Auch sollten die Ämter besser zusammenarbeiten“, forderte dabei die Hauptreferentin, Ursula Pasch. „Und ohne einen Beirat für Stadtgestaltung geht es gar nicht“, nahm die Architektin und Vorsitzende des Verkehrsvereins dabei eine Forderung der Bielefelder Grünen auf.

Umbauphase wird eine Herausforderung

Pasch erklärte den rund 50 Besucher*innen zunächst, was mit den großen Umbauten des Karstadt-Areals und des NW-Gebäudes ab 2027 auf die Stadt zukommt. Bei beiden Projekten sind Einzelhandel, Gastronomie und auch Wohnen vor allem für Senioren vorgesehen. Die Umbauphase werde eine Herausforderung, so Pasch: „Da werden bis zu acht LKW in der Stunde in der Altstadt unterwegs sein.“ Da sei es enorm wichtig, „dass die umliegenden Geschäfte nicht aufgeben“.

Das müsse Stadtmarketing gut begleiten – etwa die Baustellen als Chance für die Zukunft unserer Stadt sichtbar vermarkten.

Grüner Deckel für Jahnplatz-Eingänge

Drei Jahre könnten die Umbauten dauern. Im Großen und Ganzen würden die Pläne dafür gut aussehen. „Das kann städtebaulich gelingen“, ist die renommierte Expertin optimistisch. Gleichzeitig müsse aber etwas am neuralgischen Punkt im Zentrum, dem Jahnplatz-Forum, geschehen, wo die Eingänge verdrecken: „Hier könnte ein begrünter Deckel als Provisorium geplant werden“, fordert Ursula Pasch. „Eine schnelle, einfache Lösung.“ An der unansehnlichen Stelle müsse man die Eigentümer fordern, um endlich „etwas weiterzukommen“. Denn Nichtstun keine Option und auf Dauer auch teuer.

Grüne fordern Wiederbelebung vom „Beirat für Stadtgestaltung“

Dominic Hallau merkte an, dass gerade bei den Besitzstrukturen die Politik sich „oft fast machtlos“ fühle. „Doch die Debatte um die Innenstadt ist uns wichtig“, so der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Rat. Um die Aufenthaltsqualität zu verbessern, sollte sich städtebaulich mehr tun; Wohnen und Kultur würden immer wichtiger für das Zentrum und müssten bedacht werden: „Wir wünschen uns da mehr Einbindung.“ Darum auch fordern die Grünen unter anderem eine Wiederbelebung des „Beirats für Stadtgestaltung“.

Stadt braucht eine bessere Zielsetzung

Der Soziologe und ehemalige langjährige Stadtangestellte Andreas Kämper forderte eine bessere Zielsetzung: „Was sind die Ziele der Stadtverwaltung, etwa zur Bahnhofstraße, zum Jahnplatztunnel?“ Er selbst hat mit zehn Bielefeldern die Gruppe I-Kon gegründet. Mit dabei Architekten, Immobilienexperten oder einfach interessierte Bürger*innen, die zusammen ein Konzept für das Ravensberger Viertel am Rande der Innenstadt entwickelt haben: „Ein vernachlässigtes Gebiet mit viel Potential. Man könnte dort etwa 600 Wohnungen bauen. Viele Flächen gehören der Stadt“, so Kämper. Jetzt wollen sie mit der Politik drüber reden: „Es lohnt sich, sich mit anderen zusammenzutun.“

Bunte Fassaden und mehr Grün

Vor allem die Aktivierung eines „Beirats für Stadtgestaltung“ forderten auch Besucher*innen der Veranstaltung. Aber auch buntere Fassaden, mehr Grün, mehr Sauberkeit, Häuser mit westfälischem Charakter und mehr kleinere Kultur-Events im Zentrum waren Wünsche. Die Pläne von Architekten würden anfangs oft sehr schön aussehen; die Bauten seien das nach ein paar Jahren aber nicht immer.

Architektin Pasch machte Hoffnung: „Bauen wird ökologischer. Da passiert an den Hochschulen und in den Büros sehr viel.“ Allerdings hätten die Investoren auch ihre Ziele; und die seien oft eben von der Wirtschaftlichkeit geprägt.

„Innenstadt muss Ort sein, wo Menschen gern sind“

„Die Innenstadt muss auf alle Fälle ein Ort sein, an dem die Menschen gern Zeit verbringen“, betonte die Perspektive-Veranstalterin und Co-Vorsitzende der Grünen, Brigitte Meier. „Sie muss noch multifunktionaler werden; Handel, Wohnen, Dienstleistungen, Kultur und Freizeit noch stärker verbinden. Die Grünen nehmen kreative Ideen dafür gern mit.“

Die nächste „Perspektive (in) grün“ findet am 16. Juli um 19 Uhr zum Thema „Reproduktive Selbstbestimmung“ im Haus der Kirche statt. Es diskutieren Britta Haßelmann (MdB), Maike Husemann (pro famila) und der Mediziner Prof. Dr. Joachim Volz.