GRÜNE Fraktion vor Ort Besuch des landwirtschaftlichen Betriebs Stefan Stenner

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Durch einen Besuch des Betriebs Stefan Stenner verschaffte sich die GRÜNE Ratsfraktion am letzten Montag einen Einblick in aktuelle Fragestellungen der regionalen Landwirtschaft. Stenner betreibt in der dritten Generation einen Ackerbaubetrieb mit dem Schwerpunkt Schweinezucht in Altenhagen.

Es wird immer schwieriger, die Betriebe wirtschaftlich zu führen, die jüngeren Generationen entscheiden sich oft, die elterlichen Betriebe aufzugeben. In der Zeit von 1989 bis 2012 ging die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe, die größer als 1 ha sind im Einzugsgebiet des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Bielefeld von 505 auf 192 zurück. Landwirtschaftliche Flächen werden in der Konkurrenz zu Siedlungs- und Gewerbeentwicklung zur Mangelware – und auch die Abwägung zwischen Lebensmittelerzeugung und Energiewirtschaft macht den Landwirten das Leben nicht gerade leichter. Niedrige Abnahmepreise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse lassen die Betriebe erst ab einer gewissen Größe rentabel werden.

Mit seinen 160 Muttersauen und 1200 Mastschweinen weist der Betrieb Stenner eine respektable Größe auf. Alle auf dem Hof geborenen Ferkel werden bis zur Schlachtreife ausgemästet. In der Zucht werden keine Tiere von außen eingebracht, um die Bestände vor Krankheiten zu schützen. So kann auf die prophylaktische Medikamentengabe, die an vielen Mastbetrieben kritisiert wird, verzichtet werden. Das Futter für die Schweine stammt überwiegend aus eigenem Anbau, lediglich der Eiweißlieferant Sojaschrot, der wichtig für die Entwicklung der Tiere ist, wird extern dazu gekauft. Ein nahezu geschlossener Kreislauf in der Wirtschaftsweise hat für den Landwirt, laut Stenner, viele Vorteile, wie Arbeitsersparnis, Gesundheitsvorteile für die Tiere und bessere Verwertung der einzelnen Komponenten.

Um die Öffentlichkeit wieder stärker an die aktuelle Lage der Landwirtschaft heranzuführen, mit ihr in Dialog zu treten und eine Landwirtschaft zu gestalten, die zugleich wirtschaftlich leistungsfähig, ökologisch verträglich und sozial gerecht ist, wurde vom westfälisch-lippischen Landwirtschaftsverband 2013 die Havichhorster Erklärung abgegeben. Sie erläutert das Selbstverständnis der Bauernfamilien unter Berücksichtigung der Entwicklungen der letzten Jahrzehnte und weist darauf hin, dass die Grundlage all des bäuerlichen Handelns die Wertschätzung und Achtung von Mensch, Tier und Natur war, ist und bleiben wird.

Lisa Rathsmann-Kronshage, Fraktionsvorsitzende der Bielefelder GRÜNEN: „Das Bild der Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Wer, wie wir, die regionale Erzeugung und Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten unterstützt, muss sich auch mit den Anforderungen auseinandersetzen, die aus Sicht der landwirtschaftlichen Betriebe erfüllt werden müssen um existenzfähig zu bleiben. Ein wichtiger Aspekt ist dabei, dass die Vernichtung hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen gestoppt werden muss. Wir werden mit den VertreterInnen der Landwirtschaft im Gespräch bleiben.”