Die Ratsfraktion und Bezirksvertretungen von Bündnis 90/Die Grünen kritisieren die aktuelle Informationsvorlage der Verwaltung zu den vermeintlichen Auswirkungen des demografischen Wandels in der Bielefelder Kita-Landschaft. Die GRÜNEN hinterfragen angedachte Standort-Schließungen und fordern eine langfristige Planung, die Qualität, Teilhabe und den tatsächlichen Bedarf der Familien in den Mittelpunkt stellt.
Joachim Hood, sozialpolitischer Sprecher der Grünen Ratsfraktion: „Zehn Jahre Ausnahmezustand mit überlasteten Kitas, überbelegten Gruppen, Fachkräftemangel und unzureichender Inklusion dürfen nicht mit vorschnellen Entscheidungen beantwortet werden. Kinder haben berechtigte Ansprüche auf frühkindliche Bildung und gute Betreuung. Statt Kapazitäten abzubauen, müssen wir die Chance nutzen, endlich eine verlässlichere Betreuung sicher zu stellen, Ressourcen für kleinere Gruppen und mehr Inklusion einzusetzen.“
Die Grünen kritisieren, dass die Vorlage kindliche Bedürfnisse und Teilhabe – etwa bei Sprachförderung, Inklusion oder psychischer Gesundheit – zu wenig berücksichtigt. Zudem stützten sich die Vorschläge auf unsichere Prognosen zu Geburtenraten und Zuwanderung.
Die Fraktion stellt zentrale Forderungen an die Verwaltung:
- Ausführliche Information und Aufklärung zu den neuen Planungsprämissen und Grundlagen
- Erhöhung der Quote der Kitabelegung (U3/Ü3)
- Vor Standortentscheidungen müssen alle Finanzierungsoptionen – etwa höhere Landeszuwendungen durch das überarbeitete KiBiz– geprüft werden.
- Demografischen Wandel als Chance nutzen: Freie Kapazitäten sollen für Beendigung von Überbelegung, Flexibilisierung, kleinere Gruppen und Inklusion gestaltet werden.
- Kooperationen mit Grundschulen stärken: frühzeitig und bedarfsgerechte Mittel einsetzen, Übergänge in die Grundschule für Kinder vereinfachen und verbessern
- Transparenz und Beteiligung: Trägervereinigungen und Elternvertretungen müssen in die Planung einbezogen werden.
- Differenzierte Betrachtung vor Ort: Bei wachsenden Wohnquartieren, wie Schildesche Stapelbrede ist ein Abbau von Plätzen „weder sozial gerecht noch planerisch sinnvoll“
Die Informationsvorlage wird in den Bezirken seit dem 04.12.2025 diskutiert und die Beratungen werden noch bis in den Jugendhilfeausschuss in 2026 andauern.
Ruth Wegner, Fraktionsvorsitzende der Grünen in Schildesche: „Wir werden darauf achten, dass die Personalschlüssel verbessert werden, Räume umgenutzt statt geschlossen werden und vor allem: freiwerdende Kita-Plätze künftig proaktiv Familien angeboten werden. Ein Teil der hohen Belastung der Grundschulen hängt mit Kindern zusammen, die nur kurz oder gar keine Kita besucht haben. Starke Kitas als Orte frühkindlicher Bildung können den Übergang deutlich erleichtern. Eine proaktive Vermittlung von Kita-Plätzen – im Zusammenspiel von Familiengrundschulzentren, Jugendamt und Gesundheitsamt – wäre daher auch eine wichtige Entlastung in der Schuleingangsphase.
Vorlage der Verwaltung online: https://anwendungen.bielefeld.de/bi/vo0050.asp?__kvonr=42249