Idunastrasse Brackwede: Wald erhalten statt Baurecht schaffen – GRÜNE kritisieren Bauvorhaben

Rodung eines Waldstücks ohne Genehmigung an der Idunastrasse

Die geplante Bebauung eines rund 2.900 Quadratmeter großen Waldstücks zwischen Iduna- und Dianastraße in Brackwede stößt bei der GRÜNEN Ratsfraktion Bielefeld auf deutliche Kritik. Die Fläche ist sowohl im Regionalplan als auch im Flächennutzungsplan klar als Wald ausgewiesen und Teil eines regionalen Grünzugs. Trotzdem hat der Eigentümer die Fläche schon im Jahr 2010 erstmals roden lassen. Jetzt hat die Verwaltung eine Vorlage in Stadtentwicklungsausschuss eingebracht, die eine Bebauung ermöglichen und damit die Rodung nachträglich legitimieren soll.

„Hier soll ein rechtlich geschützter Wald für wenige Wohneinheiten geopfert werden. Das halten wir für völlig falsch. Wald erfüllt wichtige Funktionen für Klima, Artenvielfalt und die Erholung der Menschen – gerade in Zeiten der Klimakrise dürfen wir diese Natur nicht leichtfertig aufs Spiel setzen“, erklärt Klaus Feurich-Tobien, umweltpolitischer Sprecher der GRÜNEN Ratsfraktion. „Was hier passiert, ist ein fatales Signal: Wer lange genug ohne Genehmigung rodet und Fakten schafft, wird am Ende auch noch belohnt. Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich an Recht und Gesetz halten – und ein Frontalangriff auf den Waldschutz.“

Die GRÜNEN weisen darauf hin, dass das Waldstück bereits vor rund 15 Jahren gerodet und seitdem regelmäßig freigehalten wird. So wird die natürliche Wiederbewaldung verhindert und das Grundstück aus Sicht des Naturschutzes entwertet. Das obwohl eine Aufforstung nach spätestens zwei Jahren gesetzlich vorgeschrieben ist. Unverständlich und ausgesprochen bedauerlich ist, dass die zuständige Forstbehörde Wald und Holz NRW untätig geblieben ist.

Die GRÜNEN empört besonders die rechtliche Bewertung der Stadtverwaltung. Demnach hat der Bau von zwei bis drei Einfamilienhäusern mit jeweils 180 m² Grundfläche ein höheres Gewicht als der Erhalt des Waldes.

„Hier wird das Recht offenbar zugunsten eines Investors ausgelegt“, sagt Karen Meyer, Mitglied im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz für die GRÜNE Ratsfraktion. „Wenn zwei oder drei Einfamilienhäuser plötzlich ein ‘überwiegendes öffentliches Interesse’ darstellen sollen, dann ist künftig kein Wald mehr sicher.“

Auch das geplante Verfahren kritisieren die GRÜNEN scharf. Mithilfe einer sogenannten Innenbereichssatzung soll die Bebauung im vereinfachten Verfahren durchgesetzt werden – ohne umfassende Umweltprüfung. „Das ist nichts anderes als ein Trick, um Umweltstandards zu umgehen“, erklärt Karen Meyer. „Gerade bei einer Fläche mit dieser ökologischen Bedeutung im Gesamtwaldverbund ist das völlig inakzeptabel.“

Auch die vom Investor vorgeschlagene Ausgleichsfläche bezeichnet die GRÜNE Fraktion als fragwürdig. Liegt auf ihr doch aktuell noch Vertragsnaturschutz zur Förderung alter Kulturlandschaften innerhalb des Biotopverbunds ‘Kulturlandschaft zwischen Südwestfeld, Reiherbach und Windelsbleiche‘. „Hier einfach aufzuforsten, um Wald, den man an anderer Stelle vernichtet hat, zu kompensieren und dabei eine ökologische Wertigkeit zu zerstören, ist nicht fachgerecht“, betont Klaus Feurich-Tobien.

Für die GRÜNEN geht es im Fall Idunastraße um eine Grundsatzfrage: Gilt der Schutz von Natur und Wald – oder setzt sich am Ende der längere Atem eines Investors durch?

„Wald ist kein Bauland auf Vorrat“, betonen die GRÜNEN. „Er ist Lebensraum, Klimaschützer und Erholungsort – und genau deshalb muss er konsequent geschützt werden.“

Mehr Infos: https://bielefeld.bund.net/service/meldungen/detail/news/illegale-waldrodung-in-quelle-fuer-3-einfamilienhaeuser/