Perspektive (in) grün: Zukunft schaffen durch Klimaschutz

Martin Adamski, Lisa Waimann, Lena Brenstein, Klaus Feurich-Tobien, Brigitte Meier, Dominik Schnell stehen auf der Terasse des Pioneers Clubs.

Über 60 Besucher*innen bei Grünen-Veranstaltung im Pioneers Club

Die Klima- und Biodiversitätskrise macht vor Bielefeld nicht Halt. Auch hier sterben Arten aus, steht die Natur unter einem enormen Druck. Das machte Lena Brenstein von der Biologischen Station Bielefeld-Gütersloh bei einer neuen Veranstaltungsreihe der Bielefelder Grünen im „Pioneers Club“ deutlich. „Es gibt einen extremen Rückgang der Arten“, so die Biologin und Landschaftsökologin. „Zum Beispiel bei der Feldlerche. Vor 30 Jahren gab es in der Stadt noch rund 600 Paare, heute sind es gerade mal 20. Der Kiebitz ist so gut wie ausgestorben.“ Grund dafür sei unter anderen der Flächennutzungsdruck, von dem selbst Naturschutzgebiete betroffen seien.

Vor rund 60 Besucher* des neuen Formats „Perspektive (in) grün: Zukunft schaffen durch Klimaschutz“ forderte Brenstein mehr Renaturierung, Wiedervernässsung, mehr funktionierende Biotopverbünde. Zwar habe Bielefeld im Vergleich zu anderen Städten viele Grünzüge und Parks. Aber in Zeiten der Klimakrise sei es wichtig, noch stärker präventiv zu handeln. Das sei deutlich billiger als die Kosten, die durch die Klimakrise entstehen.

Dem stimmte auch Klaus Feurich-Tobien zu, umweltpolitischer Sprecher der grünen Ratsfraktion. Er kritisierte, dass die neue Rathauskoalition beim Klimaschutz „unambitioniert“ sei: „Die bisherige Koalition hat gute Grundlagen gelegt. Es gibt ein Blühwiesenkonzept, ein Naturwaldkonzept. Ebenso wurde ein Straßenbaumkonzept auf den Weg gebracht.“ Die Grünen wollten auch aus der Opposition heraus weiter Impulse und Ideen für mehr Klimaschutz liefern. Feurich-Tobien gibt die Hoffnung nicht auf, die CDU von wichtigen Klimaschutzmaßnahmen überzeugen zu können.

Europa erwärmt sich rasant

Dass die Kommunen handeln müssten, zeigten abermals neue Studien, betonte auch Martin Adamski, Dezernent für Umwelt, Mobilität, Klimaschutz und Gesundheit: „Europa erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Es gibt Orte in Bielefeld, die sich im Sommer auf 40, 45 Grad erhitzen. Es gibt Starkregen-Ereignisse, bei denen die Kanalisation an ihre Grenze stößt.“ Das alles beeinträchtige die Bevölkerung. Um aber zu handeln, bräuchten die Kommunen auch gute Rahmenbedingungen von Bund und Land.

Bielefeld gehe beim Thema Klimaschutz bereits voran, so Adamski: „Wir sind eine der ersten Kommunen in NRW, die eine kommunale Wärmeplanung auf den Weg gebracht hat.“ Die Fernwärme werde stark ausgebaut, gleichzeitig suche man neue Wärmequellen wie etwa die Geothermie. Da gebe es nach neuesten Erkenntnissen hervorragende Bedingungen. Adamski hofft in naher Zukunft auf Probebohrungen.

Zum Thema Mobilität machte der Dezernent deutlich: „Eine Stadt mit noch mehr motorisierten Individualverkehr wird nicht funktionieren – sondern kollabieren.“ Es sei wichtig den Öffentlichen Personennahverkehr auszubauen. Viele Bürgerinnen und Bürger wünschten sich weitere Verlängerungen der Stadtbahn-Linien.

Kein Naturschutz ist keine Option!

In der anschließenden Diskussion machten sich Besucher*innen des neuen Veranstaltungsformats vor allem Sorgen über die Folgen der Klima- und Artenkrise wie Hitze und Wasserknappheit sowie die Qualität des Wassers angesichts der teilweisen Belastung durch die Ewigkeitschemikalien PFAS.

Vertreter von Umweltverbänden kritisierten die Versiegelung naturnaher Flächen durch Wohnungsbau, die geplante Erweiterung der Stadtbahn hinter dem Uni-Campus sowie den geplanten Ausbau der ICE-Strecke durch das Johannisbachtal. Sie forderten, dass vor allem diese einmalige Aue unbedingt geschützt werden müsse. Martin Adamski mahnte aber: „Es wäre fatal, wenn sich Leute, die sich für Natur-, Umwelt- und Klimaschutz einsetzen, bei der Frage um die ICE-Trasse spalten. Da müssen wir miteinander und nicht gegeneinander agieren“

Die Moderatorin und Bielefelder Co-Vorsitzende von Bündnis90/Die Grünen, Brigitte Meier, versprach: „Wir werden uns um all diese Fragen kümmern. Der Klimaschutz gehört zur DNA der Grünen. Er muss mehr Raum finden.“ Rund 30 weitere Eingaben, Ideen und Wünsche gaben die Besucher*innen während der Diskussion über ein online-Portal den Grünen mit auf den Weg.

„Perspektive (in) grün“ wird fortgesetzt

Mit dem neuen Format „Perspektive (in) grün“ will der Grünen-Vorstand, so Brigitte Meier, stärker Angebote für Bielefelderinnen und Bielefelder bieten, um grüne Kommunalpolitik transparenter zu machen: „Es ist wichtig, sich kennenzulernen und Themen zu diskutieren.“ Die nächste Veranstaltung in der Reihe ist am 20. Mai um 18:30 Uhr im Grünen Würfel. Thema: „Perspektive (in) grün: Atomkraft – alter Wein in neuen Schläuchen“.